Am Ende der 60er Jahre löste die Film-Fabel PLANET DER AFFEN (1968) einen langanhaltenden Trend im Science Fiction Film Genre aus, nämlich die monetär erfolgreiche Begründung des Untergenres dystopischer Endzeitfilm. Neben den klassischen Science Fiction Themen wurde dieses Thema für Macher wie für Konsumenten oft in Epochen interessant, in welchen der gesellschaftliche Wandel in der Kultur als nicht aufhaltbar negativ wahrgenommen wurde. Ein Gefühl der Entfremdung durch die manchmal radikalen Wandlungen in der menschlichen Geschichte. Die Ermordung von JFK, Martin Luther King und Bobby Kennedy, Rassenunruhen, der kalte Krieg, die Cuba Krise, der Vietnam Krieg, wirtschaftliche Rezession, die Öl Krise, generationenübergreifende Konflikte (Alternativ-, Hippie- und Demonstrationskultur vs. das konservative Amerika), Affären wie Watergate und globale aggressive Interventionen der amerikanischen Geheimdienste und Militärs erzeugten bei vielen Menschen dieser Generation Gefühle der politischen und sozialen Unsicherheit. Die Angst auf einmal alles verlieren zu können, weil größere und komplexere Vorgänge in der Welt die eigene Lebenswelt und Heimat bedrohen. Vorgänge die zunächst kaum sichtbar sind und dann mit einem Schlag wie eine gewaltige Naturkatastrophe die gewohnte Welt zerstören. Ein Thema das in den phantastischen Welten des Kinos der 70er Jahre bis heute mit seinen dramatischen Untergangsszenarien immer wieder spektakuläres Thema sein sollte.
Lustigerweise schien das den Schöpfer des späteren Musterbeispiels von Science Fiction Spektakelkino, nämlich STAR WARS, nicht zu interessieren, als er 1967 seinen dystopischen, aber sehr leisen Kurzfilm Electronic Labyrinth: THX 1138 4EB an der University of Southern California produzierte, an welcher er Film studierte. Von Anfang an wollte er keinen Film drehen der eine übergeordnete Katastrophe als Motor einer sich selbst vernichtenden Gesellschaft zeigt, sondern er wollte viel subtiler und eindringlicher auf das Problem einer sich kulturell selbst entfremdenden Gesellschaft eingehen und deren Folgen für das Individuum aufzeigen.
So handelt THX 1138 in seiner 4 Jahre später entstandenen Spielfilmversion von einer futuristischen Arbeitsgesellschaft in welcher das Individuum das Recht verloren hat selbst entscheidend sein Leben führen zu dürfen. Mehr noch, die Leben der Menschen werden ohne Rücksicht auf Gesundheit in die maschinellen Arbeitsabläufe der Fabriken so integriert, dass der Mensch kein Störfaktor mehr ist, sondern ein perfektes Zahnrad im Getriebe. Die natürlich und vollkommen normal wirkenden Charakteristika einer menschlichen Persönlichkeit wie zum Beispiel sein Temperament oder seine Gefühle für andere Menschen, werden von der alles kontrollierenden Orwellschen Gesellschaft und dem dazugehörigen Überwachungsstaat nicht nur nicht akzeptiert, sondern beim unerwünschtem Auftreten durch die Verabreichung von Drogen eliminiert.
Die ständige soziale Konditionierung zu Effizienz und Einheitlichkeit in Kombination mit chemischer Gehirnwäsche entsozialisiert die Menschen zu schweigsamen Figuren, deren Privatleben (auch die Sexualität) genauso überwacht und vorgegeben ist, wie die öffentliche Arbeits- und Konsumwelt. Nichts ist Privat, nicht einmal die eigene Frisur, weswegen alle Menschen dieser Zukunft kahl rasiert werden. Alle Aspekte eines Lebens werden überwacht, bis ins kleinste Detail. Die Individualität als Lebensidee hat ausgedient, stattdessen wird der Weg der Masse als der untrüglich und absolut sichere gepriesen. Schön zu sehen in den Szenen wenn die Hauptfigur THX 1138 in einer Unikapelle bei der virtuellen Gottheit Oom nach Antworten auf seine existenziellen Fragen sucht. Aber anstatt diese zu bekommen mit platten politischen und industriellen Phrasen abgespeist wird. Auch die Spiritualität ist nur noch eine dünne und blasse Kopie der Vergangenheit. Die Gottheit mehr Aufseher in einem psychologischen Gefängnis als Befreier der Seele.
Beziehungen, egal welcher Art werden nicht toleriert, auch keine Partnerschaftlichen. Die Person mit der man zusammen wohnt ist Wohngemeinschaft und Zellengenosse. Bestrebungen darüber hinaus intim zu werden, unterliegen wieder Bestrafungen und Umerziehungsversuchen. Trotzdem wagt sich THX 1138 mit seiner Wohnpartnerin LUH 3417 eine intime Verbindung einzugehen, die Reaktion des Systems ist vorprogrammiert. Der Arbeitsplatz wird überwacht, das Privatleben sowieso, auch der öffentliche Raum bietet keine Zuflucht. Also bleibt den beiden Liebenden nur noch der Fluchtversuch aus dieser unterirdischen Lebenswelt, auf eine unbekannte Oberfläche. Am Schluss wird es nur THX gelingen ein wärmendes Bad in der Sonne zu nehmen.
Für die zurück gebliebenen bleibt Freiheit und Wärme nur ein Traum oder eine Illusion.
Unsere vierteilige AMERICAN ZOETROPE Reihe:
- THX 1138: Der Mensch als konforme und seelenlose Nummer
- American Zoetrope und THX 1138
- Making of THX 1138
- Die Filme von AMERICAN ZOETROPE


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