In dieser KAMMERflimmern-Ausgabe geht es weniger darum, „Day of the Dead“ Szene für Szene nachzuerzählen, sondern darum, seinen deutschen Ruf einmal sauber auseinanderzunehmen: Ist das wirklich ein Film, der so stark ist, wie sein legendärer Status behauptet – oder lebt ein Teil seiner Aura bis heute davon, dass er hierzulande über Jahrzehnte beschlagnahmt war? Genau diese Frage macht den Ansatz spannend, weil der Film dadurch nicht nur als Splatter-Klassiker betrachtet wird, sondern als Werk, dessen Wirkung irgendwo zwischen Verbot, Mythos und echter Qualität liegt. Der Text setzt dabei sehr klar auf die These, dass Romeros Film eben mehr ist als Gore, nämlich ein bitteres, eingesperrtes Weltuntergangsbild, in dem nicht die Zombies das eigentliche Problem sind, sondern die Menschen selbst.
Der zweite starke Punkt der Ausgabe ist, dass sie „Day of the Dead“ nicht bloß als Horrorfilm, sondern als fast schon hoffnungsloses Kammerspiel liest: ein Film über Macht, Kontrollverlust, Angst und das Zerbrechen jeder Kooperation. Die unterirdische Anlage wird dabei zum eigentlichen Zentrum der Wirkung – wie ein Grab für die letzten Reste von Vernunft. Gleichzeitig macht der Text deutlich, warum der Film bis heute so nachhallt: wegen seiner drückenden Atmosphäre, seines metaphorischen Unterbaus und natürlich wegen Savinis handgemachter Effekte, die nicht nur schockieren, sondern diesem düsteren Weltbild überhaupt erst Körper geben. Gerade dadurch entsteht am Ende kein nostalgisches Kultfilm-Lob, sondern ein klarer Blick auf einen Film, der seinen Status nicht nur wegen des Verbots, sondern vor allem wegen seiner kompromisslosen Intensität behauptet.


Kommentar verfassen