In den schillernden Hallen Hollywoods, wo Glamour und Geheimnisse Hand in Hand gehen, gibt es Rituale, die selbst eingefleischten Cineasten unbekannt sein dürften. Eines dieser Rituale betrifft die begehrteste Trophäe der Filmindustrie: den Oscar. Seit der Einführung strikter Geheimhaltungsmaßnahmen werden die goldenen Statuetten erst nach der feierlichen Verleihung, während des glanzvollen Governor’s Ball, mit dem Namen des Gewinners graviert. Bis dahin bleiben sie unbeschriftet, da bis zur Öffnung des berühmten Umschlags niemand – außer den Notaren der PriceWaterhouseCoopers – den Namen des Siegers kennt.
Tauchen wir ein in das Jahr 1973, ein Jahr, das in die Annalen der Oscar-Geschichte einging. Während der 45. Academy Awards wurde Marlon Brando für seine ikonische Darstellung des Don Vito Corleone in DER PATE als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Doch anstatt die Bühne zu betreten und den Preis entgegenzunehmen, entschied sich Brando für einen beispiellosen Akt des Protests. Er lehnte die Auszeichnung ab, um auf die ungerechte Darstellung und Behandlung der indigenen Bevölkerung Amerikas in der Filmindustrie aufmerksam zu machen. An seiner Stelle erschien die Aktivistin Sacheen Littlefeather, gekleidet in traditioneller Apache-Tracht, und verlas Brandos Erklärung. Sie verzichtete darauf, die Statuette von den Präsentatoren Roger Moore und Liv Ullmann anzunehmen.
Doch was geschah mit der für Brando bestimmten, ungravierten Statuette? In einem ungewöhnlichen Verlauf der Ereignisse nahm Roger Moore die Trophäe nach der Zeremonie mit zu sich nach Hause. Später wurde sie an die Academy zurückgegeben. Es wird vermutet, dass diese Statuette in den Bestand der Academy zurückkehrte und möglicherweise in späteren Jahren an einen anderen Preisträger verliehen wurde.
Interessanterweise tauchte 1995 eine Oscar-Statuette mit der Seriennummer 1601 auf, die angeblich die von Brando abgelehnte Trophäe sein sollte. Nachforschungen der Academy ergaben jedoch, dass diese Statuette während der 45. Oscarverleihung 1973 vom Podium gestohlen worden war und nicht mit Brandos Auszeichnung in Verbindung stand.
Brandos mutiger Schritt und Littlefeathers eindringliche Rede hinterließen einen unauslöschlichen Eindruck in der Filmwelt. Fast fünf Jahrzehnte später, im Jahr 2022, entschuldigte sich die Academy offiziell bei Sacheen Littlefeather für die ungerechte Behandlung, die sie nach ihrem Auftritt erfahren hatte. Diese Geste unterstreicht die anhaltende Reflexion der Branche über vergangene Ungerechtigkeiten und das Bestreben, aus der Geschichte zu lernen.


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