Ein „kritischer Blick“ auf die Awards Season 2026

Avatar von leiNwand

Am 5.Dezember 2025 begann die heurige Awardseason in Style, nämlich mit der Bekanntgabe der Critics Choice Awards Nominierungen. Dabei legen Kritiker, Kritikerinnen und Personen aus der Entertainmentbranche, auch aus dem YouTube-Bereich, fest, welche Leistungen aus dem vergangenen Jahr ihrer Meinung nach Exzellenz darstellen und sorgen auch, so ganz nebenbei, für den ersten Gradmesser in der Awards Season. Ich möchte nun hier kurz auf die Nominierten in der Filmbranche eingehen und versuchen, bestimmte Dinge, auch für mich, einzuordnen.

DIE FAVORITEN SIND KLAR

Die großen Player im heurigen Awardscircuit haben sich auch weitestgehend als solche definiert in dieser Liste: Sinners, der musikalische Horrortrip von Ryan Coogler, stellte sich als Top-Nominee heraus, konnte sage und schreibe 17 Nominierungen abstauben, somit nur eine weniger als der Rekordhalter „Barbie“ aus dem Jahr 2023. Das ist insofern erstaunlich, als dass der Film erstens bereits recht früh im Jahr Premiere feierte (April), allerdings finanziell richtig gut funktionierte, vor allem in den USA und durch einen weiteren Kinorelease ordentlich Momentum aufbauen konnte, und zweitens ein Genrebeitrag ist – etwas, dass in früheren Awards Seasons bekanntlich eher hinderlich war für eine erfolgreiche Kampagne. Der zweite große Film des Jahres, One Battle after Another von Paul Thomas Anderson, konnte 14 Nominierungen einstreifen, das lag im Bereich dessen, was man sich von diesem Juggernaut erwarten durfte.

Weiters gelang es auch Guillermo del Toro’s „Frankenstein“, trotz begrenztem Kinorelease, und Chloe Zhaos „Hamnet“, der tragischen Geschichte hinter dem größten Erfolg von William Shakespeare, jeweils die Zweistelligkeit in den Nominierungen zu knacken (je 11). Somit verspricht diese Awards Season eine zu werden, in der es mehrere Player gibt, viele Studios, die um die größten Preise des Jahres rittern. Übrigens: Sowohl Sinners als auch One Battle after Another sind Warner Bros. Produktionen. Gerade im Licht der aktuellen Entwicklungen ist das durchaus nicht uninteressant, zumal Netflix bereits am dritten Platz lauert.

DIE FILME IN DER ZWEITEN REIHE

An sich liest sich diese Nominierungsliste wie ein Best-Of des Kinojahres, wirklich große Sensationen blieben weitestgehend, gerade im Bereich der etwas kleineren Filme, aus. Joachim Triers „Sentimental Value“ performte hier, wie erwartet, grandios – dass der im „International Feature“-Bereich nicht vorkommt, ist einer neuen Regel geschuldet und somit auch nicht der Rede wert. „Jay Kelly“, Noah Baumbachs Reise eines Schauspielers auf der Suche nach seiner eigenen Legacy, hat es dann doch noch recht prominent in die Show geschafft, auch wenn die große Nominierung für Hauptdarsteller Clooney ausblieb. NEON positioniert sich immer weiter als großer Awards Player, neben Triers „Sentimental Value“ konnte man auch „No Other Choice“ von Park Chan-Wook, „The Secret Agent“ mit dessen Hauptdarsteller Wagner Moura und sogar den Außenseiter „Sirat“ prominent in der Show positionieren. Das dürfte durchaus interessant werden, denn solche Kampagnen sind, wie wir alle wissen, sehr kostspielig – sollte es NEON tatsächlich gelingen, vier Filme ins Oscarrennen zu schicken, müssten wir den Zugang zu solchen Vorhaben von Grund auf neu denken, und das finde ich sehr interessant.

DIE CHARMANTEN PICKS

Der große Player von A24 scheint heuer „Marty Supreme“ von Josh Safdie zu sein, dessen Hauptdarsteller Timothée Chalamet gilt als einer der Favoriten für alle großen Preise heuer, auch abseits davon konnte der Film Eindruck schinden, immerhin 8 Nominierungen konnte man einfahren. Für Joshs Bruder Benny lief es nicht allzu gut – trotz des Regiepreises in Venedig für sein „The Smashing Machine“ reichte es hier einzig und allein für eine Nominierung im Make-Up-Department, auch die Reise von Dwayne Johnson in der Hauptrolle könnte hier bereits zu Ende sein. Das wird die Zeit zeigen, noch sind wir sehr früh in der Awards Season unterwegs. Nehmen wird man das Momentum auf jeden Fall, erneut, bei Warner Bros. und dessen Horrorhit „Weapons“, der konnte unerwartet gut performen hier. Amy Madigan ist sowieso ein riesiger Player heuer, aber auch im Drehbuch, fürs Make-Up und für den Jungdarsteller Cary Christopher fand man hier Platz.

DIE ENTTÄUSCHUNGEN

Lasst uns, zum Ende hin, noch auf ein paar Dinge schauen, die mich entweder verwundert oder auch ein wenig enttäuscht haben: Cynthia Erivo’s Performance war ihnen heuer keine Nominierung wert, generell hat „Wicked: For Good“ zwar rein arithmetisch gut performt, allerdings fehlen ihnen die Dinge, die letztes Jahr noch besser funktioniert haben, gerade im technischen Bereich. Ich finde es unglaublich schade und auch wenig verständlich, dass „F1“ trotz insgesamt 7 Nominierungen keinen Platz im Roster für den „besten Film“ gefunden hat. Gerade, wenn man in den technischen Bereichen mehr oder weniger überall vorkommt, sollte das an sich klappen – Beispiele aus der Vergangenheit gibt es mehr als genügend dafür. Und: Es gibt noch eine ganz große Unbekannte in der Gleichung – nämlich der dritte Teil der Avatar-Reihe. Der kam trotz sehr guter Rückmeldung ausschließlich in der Visual-Effects-Kategorie vor, und die hättest du auch grundsätzlich blind dorthin vergeben können. War man hier einfach zu spät dran? Die Vermutung liegt nahe, und könnte bereits in Kürze, nämlich bei den Golden Globes Nominierungen, bestätigt werden. Oder die heurige Award Season kommt in den großen Kategorien, erneut, ohne großen Blockbuster aus. Das wird die Zeit zeigen.


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