THX 1138 © 1971 American Zoetrope | Warner Brothers

American Zoetrope – Teil 3 | Making of THX 1138

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Die Pre-Production 

George Lucas wollte einen Science Fiction Film schaffen, der zum einen eine sehr starke gesellschaftskritische Story enthielt, zum anderen Visuell aber sehr Stilisiert war was die Bildsprache betraf. Er wollte nur wenige wenig Dialoge, also schrieb er auch nur sehr wenige. Nach der allgemeinen Auffassung aller am Projekt beteiligten war Lucas erste Fassung des Drehbuchs zu stark beschreibend und fiel komplett durch. Also schnappte er sich Walter Murch, mit welchem er ja auch schon zusammen das Drehbuch für die Kurzfilmvorlage geschrieben hatte. Das nun nicht mehr so wortkarge Final Draft gefiel allen und bekam grünes Licht. Das gesamte Budget des Films lag bei nur 777.000 Dollar (35 Drehtage waren angesetzt), weswegen man sich viele Gedanken machen musste, wie man die Umsetzung der Zukunft so kostengünstig wie möglich halten konnte.

Deswegen zog George mit einigen Leuten in die gesamte San Francisco Bay Area los um geeignete Drehorte zu finden. Man schaute sich futuristisch wirkende Krankenhäuser, Bürokomplexe, Eingangshallen, Foyers, Bahnhöfe, Autobahnabschnitte und Zubringer, Straßen Industriegebäude, Tunnels, Einkaufszentren und maschinelle Anlagen an. Dann mussten die Drehgenehmigungen angefragt und eingeholt werden, Requisiten gebaut und Kostüme geschneidert werden. Dann castete man die drei Hauptdarsteller Robert Duvall, Donald Pleasence und die noch unbekannte Maggie McOmie. Und auch die Nebendarsteller. Als spielwillige Statisten für die Massenszenen fand man die Patienten einer Entzugsklinik, die in der nähe diverser Drehorte lag. Da alle im Film auftauchenden Menschen auf dem Hof kahl geschoren waren, mussten auch alle Mitspielenden diese Prozedur über sich ergehen lassen. Als Man Duvall die Haare abrasierte sagte er: „Für mich macht das keinen großen Unterschied zu vorher,“ und lachte. Die Haare BALD schneiden wurde bald zum Werbeimage des Films.

Die Produktion 

Am 23.09.1969 begannen die Dreharbeiten zu THX 1138 in und um San Francisco. Meistens Nachts und oft in Innenräumen. Die drei Hauptprobleme wie bei allen kleinen Produktionen war: Ausleuchtung, Zeit und Geld. Der Kameramann David Myers hatte bisher nur Erfahrung mit Dokumentarfilmen, war aber bereit sich an einem Spielfilm zu versuchen. Viele der Szenen, vor allem die in der Öffentlichkeit, mussten recht schnell in zwei bis drei Stunden vor Ort abgedreht sein. Für diese Guerillataktik hatte man einen VW Bus umgebaut und mit allem an Kamera- und Tontechnik vollgestopft welche man für die Drehs brauchte. Auf dem Dach montierte man zusätzlich noch einen Dolly Kamerawagen.

Entweder verwendete man vor Ort das Licht von Straßenlaternen, Büroneonleuchten oder ähnlichem, also das natürliche Licht. Oder man knallte, in den Szenen des scheinbar grenzenlosen Raums, alles an Scheinwerfern und Lampen auf das Set welche man nur finden konnte. Die stilisierten Bilder verlangten im Zusammenspiel mit den oft vorgegebenen Lichtquellen eine  genaue Suche des Kamerabildwinkels, um den bestmöglichen futuristischen Look zu bekommen den man haben wollte. Auf Kamerabewegungen verzichtete man fast völlig, um ein Gefühl der Isolation innerhalb der Bilder zu erzeugen. Das berühmte Abschlussbild des Films von THX in der Ferne vor einem gewaltigen Sonnenaufgang, filmte man mit einem 1000mm Teleobjektiv im Gegenlicht zur echten Sonne am Strand von LA.

Die Postproduction 

American Zoetrope war inzwischen zu  einem verrückten Ort geworden. Ständig strömten Besucher und Gäste durch die Gänge und Büros des Studios, es war laut, es wurde Gesungen und ab und an eine spontane Party gefeiert. Dazu hatte man einen ständig wachsenden Pool an Mitarbeitern, welcher das Gefühl von Chaos oft noch verstärkte. Deswegen zog sich George zusammen mit Walter Murch in sein privates in der Nähe zurück, um THX in Ruhe schneiden und mischen zu können. Die erste Sichtung des Films bei Warner war eine Katastrophe. Der verantwortliche Produzent John Calley hasste die erste Vorführung von THX. Der Film wirkte auf viele Betrachter düster, kalt und hoffnungslos. Außerdem hatten sie so etwas wie Easy Rider 2 erwartet und wussten jetzt nicht was das sein sollte. Man fing mit George und Francis Diskussionen um mögliche Schnitte und Änderungen an, welche aber nur zu verhärtenden Positionen und Streitigkeiten führten. George hatte Angst das Warner seinen Film heimlich umschneiden ließ und gab so die Arbeitskopie nie aus der Hand.

Nachdem man sich auf nichts einigen konnte kam es dann zum Eklat. Am „Schwarzen Donnerstag“ forderte Warner umgehend den Film zurück, ansonsten schuldete Francis ihnen 400.000 Dollar für die Produktionskosten! Alle anderen sechs Filme wurden umgehend gestrichen. Weltuntergangsstimmung bei Zoetrope. Man wusste aber das man den Film nur mit dem Studio zusammen sinnvoll Verleihen konnte, also beschloss man den Film zurückzugeben. Nach langen weiteren Diskussionen um mögliche Schnittfassungen konnte man sich auf einen gemeinsamen Kompromiss einigen. 5 Minuten wurden entfernt. Leider wird der Film mit nur sehr wenig Promotion veröffentlicht, worauf manche meinten, Warner tat so als gäbe es den Film nicht. Das Endergebnis war das der Film an den Kinokassen floppte. Allgemeinhin galt der Film vielen als zu schwierig und düster.

In der Zwischenzeit drehte der junge New Yorker Regisseur Martin Scorsese einen Dokumentarfilm für Warner und war deshalb öfter dort anzutreffen. Gerade hatte er den Regisseur Brain De Palma kennengelernt und beide schauten sich THX im Kino an. Sie fanden den Film Klasse, nur sträflich von der Marketingabteilung missachtet. Als sie George trafen und ihm das sagten schworen sie sich gegenseitige Unterstützung bei ihren Projekten. Nun trieb es immer mehr zukünftige Hollywoodlegenden in die Umlaufbahn von Zoetrope. Da niemand wusste wie es nun weiter gehen sollte, zerstreuten sich erst einmal viele der Teammitglieder auf andere Filmprojekte, um arbeiten und Geld verdienen zu können. Da kam Coppola das Glück zu Hilfe.

Paramount hatte gerade Probleme einen geeigneten Regisseur für „Der Pate“ zu finden. Viele Hollywoodgrößen hatten abgelehnt, zu schwierig, zu gewalttätig, zu obszön, zu schmierige Figuren. Paramount wusste zwar das THX als schwieriger Film galt, aber er gefiel ihnen. Sie glaubten das Francis als Produzent ein Händchen für schwierige Filme hat. Also wurde er engagiert. Der Rest ist Filmgeschichte. Der Pate wurde ein Internationaler Erfolg und Oscar prämiert. Er rettete American Zoetrope und ermöglichte es so, das nun viele berühmte Filme hergestellt werden konnten, die heute als Klassiker oder Kultfilme gelten. Bevor Coppola dann 1974 den zweiten Teil vom Paten drehte, musste George noch ein Versprechen einhalten das er Francis im Falle eines Flops gegeben hatte: „Dein nächster Film muss Humor haben! Und bitte keinen Film mehr mit Robotern!“

George hielt das versprechen und drehte 1973 AMERICAN GRAFFITI, die erfolgreichste Komödie des Jahres. Mit an Bord, ein bis dato unbekannter junger Nachwuchsschauspieler namens Harrison Ford. Das mit den Robotern konnte George aber nicht ruhen lassen. Nach AMERICAN GRAFFITI wollte er wieder einen Science Fiction Film drehen, irgendwas wie Flash Gordon oder Buck Rogers. Nur mit mehr Mythologisch aufgebauten Figuren und mehr Mystik. „Star Wars“-Beziehungen, egal welcher Art werden nicht toleriert, auch keine Partnerschaftlichen. Die Person mit der man zusammen wohnt ist Wohngemeinschaft und Zellengenosse. Bestrebungen darüber hinaus intim zu werden, unterliegen wieder Bestrafungen und Umerziehungsversuchen. Trotzdem

Unsere vierteilige AMERICAN ZOETROPE Reihe:

  • THX 1138: Der Mensch als konforme und seelenlose Nummer
  • American Zoetrope und THX 1138
  • Making of THX 1138
  • Die Filme von AMERICAN ZOETROPE

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