Schon viele erfolgreiche Regisseure, Schauspieler und Künstler der Filmindustrie wurden im Laufe der Geschichte mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. Nun kommt diese Ehre auch einem der renommiertesten Autoren, Komponisten, Produzenten und Regielegenden des modernen phantastischen Films zu: John Carpenter. Seit über 50 Jahren beschenkt er uns mit Meisterwerken im Genre des Horror-, Fantasy- und Science-Fiction-Films. Kaum ein Regisseur dieser Genres hat sich mit einer so breiten Themenvielfalt und so vielen Einflüssen beschäftigt und dabei ganze Subgenres, wie beispielsweise den Splatterfilm, neu erschaffen – wie in Halloween (1978).
Seine filmischen Vorbilder finden sich vor allem im Storytelling und der Inszenierung: Regisseure wie Howard Hawks, generell viele Western, wie sichtbar in Escape from New York (1981) oder Vampires (1998), und die stilprägende Original-Serie The Twilight Zone sind überall in seinem Werk spürbar. Wenn man John Carpenters Filmen eine Gemeinsamkeit zuschreiben kann, dann ist es der Versuch, mit begrenztem Budget den bestmöglichen Film für das jeweilige Genre oder Subgenre zu drehen, wie zum Beispiel in The Fog (1980) im Bereich des Gespensterfilms. Diese Werke strotzen nur so vor kreativen, einfachen – aber eben genialen – Einfällen, besonders in Bezug auf den Showdown, der sich oft unerwartet in eine völlig andere Richtung entwickelt als es die mit Happy-End-Hollywood-Dramaturgie sozialisierte und todgefütterte Zuschauerschaft gewohnt ist. Das brachte ihm, ähnlich wie seiner Vorbildserie The Twilight Zone, den Ruf ein, im Bereich Storytelling unberechenbar zu sein, da jederzeit alles möglich ist.
Sein Gespür für fantastische Geschichten und deren Verankerung in einer filmischen Realität ist bemerkenswert. Ehrlich gesagt glaube ich, dass dieser „Outlaw“ des konventionellen Massenkinos mehr Kreativität in einem seiner Finger hat als alle Avengers-Regisseure und Drehbuchautoren zusammen. Wenn Sie das für eine Übertreibung halten, dann schauen Sie doch mal nach, wer für fast alle seine Welterfolge nicht nur die berühmten Musikstücke komponierte, sondern sie oft auch selbst einspielte – der Komponist und Musiker JOHN CARPENTER!
Wenn die Autorentheorie des Neuen Hollywood Kinos zutrifft, dann ist John Carpenter einer DER AUTORENREGISSEURE des phantastischen Kinos. Die Liste seiner Werke ist beeindruckend, denn diese Filme sind oft in der Öffentlichkeit bekannter als sein Name.
Eine umfassende Liste seiner Regiewerke, Filmproduktionen als Produzent, Filmmusikschreiber als Komponist, Drehbuchautor, aber auch seine Cameo Auftritte findet man hier:
>>> Zur Filmographie von John Carpenter
Deshalb erhielt John Carpenter am 03.04.2025 endlich seinen wohlverdienten Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Variety übertrug die Veranstaltung live über ihre Netzwerke.
Eine ganze Reihe von Persönlichkeiten aus der Filmbranche, die mit John Carpenters Werk verknüpft sind, war anwesend, um ihrem filmischen Weggefährten die große Ehre zu erweisen, darunter:
- Schauspielerin Adrienne Barbeau (Das Unsichtbare Auge, The Fog, Die Klapperschlange)
- Schauspielerin Julie Carmen (Die Mächte des Wahnsinns)
- Schauspieler und Autor Nick Castle (im Original Halloween spielte er Michael Myers!)
- Kameramann Dean Cundey (Halloween 1-3, The Fog, Die Klapperschlange, Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China)
- Schauspielerin Clea DuVall (Ghosts of Mars)
- Regisseur Mick Garris (Stephen Kings Schlafwandler)
- Schauspieler Dennis Dun (Big Trouble in Little China, Fürsten der Dunkelheit)
- Schauspielerin P.J. Soles (Halloween)
- Gitarrist Slash von der Band Guns N’ Roses (ein großer Carpenter-Fan)
- Special-MakeUp-Effects-Spezialist Greg Nicotero (Mächte des Wahnsinns, Vampires, Ghosts of Mars)
- Schauspieler Keith David (Das Ding aus einer anderen Welt, Sie leben)
- und natürlich Kurt Russell (Elvis – The King, Die Klapperschlange, Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China, Flucht aus L.A.)
Als erster Laudator sprach der Make-Up-Effekte-Experte Greg Nicotero (Evil Dead 2, Predator, Pulp Fiction, From Dusk Till Dawn) über seine 30-jährige Freundschaft mit John Carpenter und die drei Dinge, die sie beide verbinden: „Wir beide lieben Godzilla, wir beide lieben es, Musik zu machen, und wir beide lieben es, Leute zu Tode zu erschrecken.“ Er sprach auch über den Einfluss, den Carpenters Werk auf die Filmindustrie selbst hatte: Man findet niemanden in Hollywood, der nicht von seiner Arbeit beeinflusst wurde.
Der Schauspieler Keith David erzählte, dass es immer seine Filmauftritte in Carpenter-Filmen seien, auf die er von Fans angesprochen wird. Er nannte ihn einen der besten Regisseure seiner Zeit, da seine Filme sehr gut erzählt, wichtig in ihren Themen und mit visionärem Stil inszeniert sind.
Kurt Russell hielt als letzter die Laudatio auf seinen Freund und Kollegen und begann mit einer amüsanten Anekdote zu den Dreharbeiten von The Thing. Carpenter hatte damals bei Filmtests Schwierigkeiten, die Darsteller in ihren gleich aussehenden Schneeanzügen auseinanderzuhalten. Als Kurt zur Kostümprobe kam, sah er an seinem Kleiderhaken einen riesigen Sombrero hängen. Kurt weigerte sich, das „Ding“ zu tragen, bis John ihn dazu überreden konnte, es wenigstens auszuprobieren. Heute gibt ihm Kurt Russell recht: Die Entscheidung war richtig, denn der Sombrero ist genauso wie der Film heute absolut KULT.
John Carpenters kurze Rede über sich selbst am Schluß der Ehrung: “ In 1968 I was a skinny Kid from Bowling Green, Kentucky, walking these Streets. I was looking for a career in Hollywood. Well, I found my career. And today, I have found Hollywood.“
Hollywood hat es ihm trotz seiner Erfolge nie leicht gemacht. Etwas Bitterkeit und schwarzer Humor durchdringt die komplette Rede. Doch seine Fans wissen, was er geleistet hat, denn für die hat er ja auch die Filme gemacht. Und diese feiern sein Werk heute frenetisch.


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