Mein Nachruf auf Tom Noonan – den ewigen großen Gegner des Helden.

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Am 14.02.2026 ist der amerikanische Schauspieler Tom Noonan im Alter von 74 Jahren (1951-2026) verstorben und mit ihm geht für mich wieder ein Teil meiner filmischen Jugend.

Er war zwar nie der große Charakterdarsteller, aber dennoch hat er dem sogenannten fantastischen Kino seinen Stempel aufgedrückt mit Rollen, die meist eher bösartige oder zwielichtige Figuren darstellten, wie zum Beispiel in Michael Manns „Manhunter“ von 1986, der ersten Verfilmung von Thomas Harris Roman „Roter Drache“ (dem ersten Hannibal Lecter – Roman). Hier verkörperte Noonan den Serienmörder Francis Dollarhyde, auch genannt die „Zanhfee“, welcher sich selbst als den „Roten Drachen“ betitelt. Hier allein schon hinterließ Noonan einen wirklich großen Eindruck bei mir als jugendlichen Filmfan, aber noch viel früher in meiner Jugend wusste er mich zu beeindrucken.

1993 verkörperte Noonan an der Seite von Arnold Schwarzenegger den „Ripper“ in Schwarzeneggers Selbstparodie „Last Action Hero“. Mit diesem Film lernte ich Tom Noonan kennen und war fasziniert von diesem Irren, der mit seiner Axt Arnold zu Leibe rücken wollte. Natürlich gelang es ihm nicht. Trotzdem blieb Tom bei mir somit in Erinnerung und ein paar wenige Jahre nachdem ich „Last Action Hero“ zum ersten mal auf VHS sah, konnte ich „RoboCop 2“ auf VHS sehen und da zementierte Tom Noonan seine Bedeutung in meiner Jugend mit seiner Rolle des „Cain“, dem Führer des Nuke-Kultes. Er war so großartig bösartig und auch wenn er nicht mit einem Kurthwood Smith aus dem ersten „RoboCop“ mithalten konnte, faszinierte er mich dennoch.

Ich besitze ja sogar Topps-Sammelkarten zu „RoboCop“ 1 und 2, die unter anderem ihn in einigen Szenen zeigen. Als „Cain“ war er ein ähnlich kaltblütiger Psychopath wie Clarence im ersten Teil, der ebenfalls permanent unter Drogen stand und mordete ohne Ende. „Cain“ ging sogar so weit, dass er vor den Augen seiner Untergebenen, einen Polizisten zu Tode foltern ließ (recht ähnlich zu Clarence aus Teil 1). Grausam und als Bösewicht eindrucksvoll und somit aber auch unvergesslich. Noonan wusste, wie man Figuren eindrucksvoll darstellte und auch die Kämpfe vor allem gegen den Titelhelden waren spektakulär. Erst recht, wenn „Cain“ zum „RoboCain“ wird, der mit einem digitalen Abbild von Tom Noonan teilweise auftritt und einen der größten Roboterkämpfe überhaupt ablieferte. Es war ein Traum für mich als Science-Fiction-Fan dem zuzusehen.

Noonan wusste immer seine Rollen sehr gekonnt zu wählen, wie auch in dem Thriller „Das Versprechen“ von 2001 [„The Pledge“] unter der Regie von Sean Penn. Der Film umgeht sehr clever die Frage, ob Noonans Figur Gary Jackson ein Kindermörder ist, da der Film mit Anspielungen und Vermutungen zu spielen weiß. Die wahre Identität des Mörders bleibt bis zum Schluss unklar und der Ermittler Jerry Black, dargestellt von Jack Nicholson, wird zum Ende hin wahnsinnig. Brillantes Kino von einem großartigen Regisseur (es ist schließlich Sean Penn) und mit Darstellern, die genau wissen, wie Kino funktioniert.

Auch in anderen großen Werken des fantastischen Kinos war er zu sehen, wie in „Wolfen“ von 1981, einem genialen Tierhorrorfilm, bei dem es um einen alten Fluch geht, der durch Wölfe letztlich vollzogen wird. Ein Kultfilm der 80er. Oder auch „Arac Attack“ von 2002, wo Noonan für eine Invasion von Monsterspinnen verantwortlich wird.

Selbst in einem meiner liebsten Westernfilme tritt Tom Noonan auf, wenn auch in einer recht kleinen Rolle (wie viele Gaststars in diesem Film): „Heavens Gate“ von Michael Cimino von 1980. Ein epischer Western, mit einer faszinierenden Produktionsgeschichte, die wirklich lohnenswert ist zu lesen, wie auch der Film selbst, der wirklich sehr zu empfehlen ist.

Man sieht es, Tom Noonans Werk war groß. Er war darüber hinaus auch als Regisseur und Drehbuchautor tätig für „What Happened Was…“ von 1994 und „The Wife“ von 1995, wo er jeweils zusätzlich auch wieder als Darsteller dabei war.

Prägend für mich allerdings war er als „Ripper“ in meinem geliebten Schwarzenegger-Klassiker „Last Action Hero“ und vor allem als „Cain“ in „RoboCop 2“, wo der Titel auch eindeutig doppeldeutig zu verstehen ist, den es ist nicht nur der zweite „RoboCop“-Film, sondern es geht um einen zweiten „RoboCop“ innerhalb des Films und dieser ist „RoboCain“, welcher nun mal Tom Noonan war. Ok, „RoboCain“ ist hauptsächlich ein sehr aufwendiger Stop-Motion-Effekt im Film, aber Noonans digitales Gesicht auf „RoboCains“ Monitor war nun mal eindeutig Noonan. Somit ist Tom „RoboCop 2“ gewesen. Auch physisch blieb er innerhalb des Films vor der Verwandlung in einen Cyborg beeinflussend für die Story. Es heißt schließlich nicht umsonst, dass in einem guten Film der Held nur dann wirklich heldenhaft ist, wenn der Gegner diesem wahrlich gewachsen ist. Der Held steht und fällt mit seinem Gegner und dieser war hier eben Tom.

Tom, du wirst in der Welt des Films sehr fehlen und bleibst unvergessen.


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