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Das Zeitreise-Paradoxon in TERMINATOR 2 (1991)

Avatar von Ben Harks

Wenn die Zukunft die Vergangenheit erschafft und die Gegenwart die bisherige Zukunft verändert

Das TERMINATOR-Franchise gehört zu den bekanntesten SciFi-Reihen der Filmgeschichte – nicht nur wegen seiner bahnbrechenden Effekte und ikonischen Figuren, sondern auch wegen seines komplexen Umgangs mit Zeitreisen. TERMINATOR 2 – TAG DER ABRECHNUNG (1991), vielfach als der beste Teil der Reihe gefeiert, bringt dieses Thema auf den Punkt.

Werfen wir zunächst einen Blick zurück: TERMINATOR (1984) etablierte ein faszinierendes Zeitreiseparadoxon: In der Zukunft rebellieren die Maschinen (Skynet), heute spricht man von künstlicher Intelligenz, gegen die Menschheit. Der Widerstand unter der Führung von John Connor zwingt die Maschinen, in der Zeit zurückzureisen. Ein Terminator wird ins Jahr 1984 geschickt, um Johns Mutter, Sarah Connor, zu töten, bevor John geboren wird. Der Widerstand schickt Kyle Reese zurück, um sie zu beschützen. Der Clou: Reese ist der biologische Vater von John. Das bedeutet: John existiert nur, weil die Zukunft versucht hat, ihn zu verhindern. Die Zeitreise verursacht also erst die Ereignisse, die sie zu verhindern sucht – ein klassisches „Bootstrap-Paradoxon“.

In T2 wird ein umprogrammierter T-800 aus der Zukunft geschickt, um den jungen John Connor zu beschützen. Ein weiterentwickelter Terminator, der T-1000, wird von Skynet zurückgeschickt, um John zu eliminieren. Die Geschichte entwickelt sich zur extremen Verfolgungsjagd. Sarah, John und der T-800 versuchen, den Wissenschaftler Miles Dyson daran zu hindern, Skynet überhaupt erst zu erschaffen. Denn Dyson arbeitet mit dem aus dem ersten Film geborgenen Arm und Chip des zerstörten Terminators – also Technologien aus der Zukunft, die eigentlich nicht in dieser Zeit existieren sollten. Damit schließt sich erneut ein Zeitkreislauf: Skynet wird durch Technologie erschaffen, die aus einer Zukunft stammt, in der Skynet bereits existiert. Wieder: Die Zukunft verursacht sich selbst.

Machen wir einen kurzen Exkurs zu den nachfolgenden Teilen: TERMINATOR 3 – REBELLION DER MASCHINEN (2003) führt das Konzept der unausweichlichen Zukunft wieder ein: Trotz aller Bemühungen konnte der „Judgment Day“ nur aufgeschoben, nicht verhindert werden. Die Menschheit wird untergehen, Skynet wird erwachen – es ist Schicksal. Ab diesem Punkt wird die Zeitreise zunehmend verworren. In TERMINATOR 4 – DIE ERLÖSUNG (2009) wird kaum noch gereist – der Film spielt nach dem Atomkrieg. Mit TERMINATOR 5 – GENISYS (2015) und DARK FATE (2019) versucht man, die Zeitlinien zu rebooten oder neu zu strukturieren – jedes Mal mit neuen Interpretationen von Ursache und Wirkung.

Was T2 so besonders macht, ist nicht nur die geniale Action oder die bahnbrechende CGI-Technik. Es ist die Hoffnung, dass Menschen ihr Schicksal selbst gestalten können – dass freier Wille gegen Vorherbestimmung bestehen kann. Wo der erste Teil das Paradoxon umarmt, zeigt Teil 2 eine Sarah Connor als Heldin, die gegen das vermeintlich Unvermeidliche kämpft. Doch die späteren Filme kehren immer wieder zu einem düsteren Determinismus zurück: Skynet (oder Legion, in Dark Fate) wird immer wieder erschaffen. Die Frage bleibt offen: Gibt es eine Zeitlinie, in der der Mensch aus der Geschichte lernt?

T2 behandelt das Zeitreise-Thema am klügsten aller TERMINATOR-Verfilmungen. Der Film balanciert Paradoxon und Hoffnung, Determinismus und freien Willen – und lässt Raum für die wichtigste menschliche Fähigkeit: Veränderung. Oder um es mit Sarah Connors Worten zu sagen: „Wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des menschlichen Lebens lernen kann, dann können wir es vielleicht auch.“


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