Art ist ein Clown, aber nicht nur irgendeiner. Er ist ein Monster, ein Mörder und er ist eklig. Das ist vor allem relevant. Er ist das Aushängeschild des modernen Horrorfilms, der mit Gewalt und Gore unterhalten will. Die Brutalität steht hierbei stark im Fokus. Blut, Gewalt, Folter und Qualen prägen die Filme, in denen der stumme Clown Art zu sehen ist.
Art ist der Hauptprotagonist der „Terrifier“-Filmreihe [2016; 2022; 2024]. Außerdem ist er bekannt aus dem Horrorfilm „All Hallows‘ Eve – Komm raus und spiel“ (All Hallows‘ Eve) [2013], der die Vorgeschichte zu „Terrifier“ darstellt.
Die Filme sind eher simpel im Aufbau. Hauptsächlich wird Art gezeigt, wie er tötet und dies auf besonders unappetitliche und bösartige Art und Weise. Als stummer und geschminkter böser Clown weiß er zu verstören und zu verängstigen. Trotz ihrer simplen Herangehensweise, sind diese Filme erstaunlich ertragreich. Vor allem „Terrifier“ 2 und 3 brachen an den Kinokassen trotz der höchstmöglichen Alterseinstufung viele Rekorde. Warum ist dies so?
Womöglich ist dies dem Interesse am Spektakel an für sich geschuldet. Gewalt und Verstörung im kompletten Ausmaß. Tatsächlich kündigte Damien Leone nach dem hochgradig provozierenden zweiten Teil an, sich mit Teil 3 2024 nochmals steigern zu wollen. Gelungen war es. Noch mehr Splatter an der Schmerzgrenze des Erträglichen. Die Kills werden teilweise ins absurde gesteigert. Hauptsächlich werden weibliche Figuren sadistisch zu tode gefoltert und das auf drastische Weise.
Die Handlung lässt sich jeweils unkompliziert herunter brechen. Art sucht sich seine Opfer, tötet sie sadistisch, eines oder mehrere Opfer überleben dennoch, um in der nächsten Fortsetzung mitwirken zu können. Ab „Terrifier 2“ ist Art sogar übernatürlich, da er in Teil 1 getötet wurde und nun wieder aufersteht. Dies wird in Teil 3 anschließend wiederholt. Nur eines kann ihm zumindest zeitweise Einhalt gebieten: Das Terrifier. Eine Art Kultobjekt, mit dem Art verletzt werden kann.
Art ist somit nicht nur ein mordender Clown, sondern sogar eine Form eines Dämons, der auch zusätzlich zusammen mit einer Begleiterin (ab Teil 2) erscheint, die allerdings nicht in beiden Filmen die gleiche ist. Diese ist ebenso sadistisch, wie er.
Ok…. Die Handlung und Struktur dieser Reihe ist plump und nur bedingt kreativ. Stilistisch sind die Filme gut inszeniert und die Effekte sind der neueste Stand der „Kunst“ des Splatter-Kinos. Dies muss man den Machern zugestehen: Die blutigen Effekte sind eindringlich, detailliert und gut ausgearbeitet. Dennoch verkommen sie tatsächlich oftmals zum Selbstzweck und daher kann man sich wirklich die Frage stellen, warum funktioniert das so gut und warum ist „Terrifier“ so interessant für den Zuschauer? Ich gebe selber zu, ich finde die Filmreihe wirklich eklig, aber es gibt für mich zumindest einen Gesichtspunkt, unter dem Art wirklich faszinieren kann und dies hängt auch damit zusammen, dass Art so sehr provoziert.
Zuerst habe ich wie einige andere reagiert und war von Art eher abgeschreckt und angewidert. Ich finde ihn immer noch unappetitlich, aber mir wurde durch Gespräche mit Fans der Reihe bewusst, dass Art satirisch zu verstehen ist. Ein eher schlaffer und wirklich hagerer Clown bringt mit unsäglicher Brutalität und Kraft Menschen um, ist unaufhaltbar und niemand stellt sich ihm in den Weg. Darüber hinaus albert er übertrieben viel herum. Das ist unrealistisch im Übermaß. Das ist eine Satire auf das Slasher- und Splatter-Genre. Die Opfer sterben eine gefühlte Ewigkeit vor sich hin und werden von einer halben Portion niedergemetzelt, die jeder vernünftige kräftige Typ eigentlich mal eben umboxen könnte. Das kann nur satirisch gemeint sein. Ein Zufall ist das bestimmt nicht und ich vermute, genau das, mag der Zuschauer. Es ist albern… Teilweise sogar fast schon witzig.
Um ehrlich zu sein, konnte ich mir, mit dieser Erkenntnis im Kopf, ein paar Lacher nicht mehr verkneifen. In „Terrifier 3“ sinniert ein Mädchen zusammen mit ihrem Freund darüber, warum sie Art den Clown interessant findet und wie er wohl riechen möge. Währenddessen werden beide heimlich vom schweigsamen Art beobachtet, der ganz fasziniert ist von dem Gespräch der beiden. Als Art dann auch noch an sich selber schnüffelte, in dem Moment, in welchem das Mädchen sich dann fragt, wie Art wohl riechen möge, war es bei mir vorbei und ich musste lauthals lachen. Als Art dann später sie und ihren Freund in der Dusche überraschte und beide mit einer Kettensäge zerteilte, war es dann nicht mehr so witzig….. oder vielleicht doch? Vielleicht ist dies sogar die Schlusspointe eines ekelhaften Witzes, der tatsächlich zündet. Sie war gespannt, wie Art in der Realität ist und in dem Augenblick, in dem sie bekommt, was sie will, empfindet sie nur noch Entsetzen. Beide werden anschließend grausam, sadistisch und ausgiebig und unrealistisch umfangreich zerstückelt. Ekelhaft und dennoch irgendwo humoristisch und gleichzeitig nicht.
Art provoziert durch übertriebene Grausamkeiten und Sadismus. Er ist unangenehm, unappetitlich, schmutzig und hässlich. Er ist schwach, aber unbesiegbar. Er ist das Gegenstück eines unzerstörbaren großen und mächtigen Killers wie Jason Vorhees oder Michael Myers oder auch Leatherface. Er ist genauso schweigsam wie diese drei und dennoch völlig anders und er macht sich bewusst darüber lustig, wer und was er ist. Art ist sich vermutlich vollkommen dessen bewusst und zusätzlich mordet er dreimal so grausam, wie die anderen. Deswegen provoziert Art, fasziniert, begeister und verstört, und dennoch wirkt er abstoßend. Vielleicht ist es genau das, weshalb die Leute ihm gerne im Kino zusehen. Ich werde mir wahrscheinlich die nächste Fortsetzung auch noch ansehen. Einfach nur, weil ich wissen mag, was Art demnächst noch so vor hat. Vielleicht kichere ich dann, vielleicht wird mir auch übel. Beides ist möglich.


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