Jede Generation von Batman-Fans hat ihren eigenen Liebling, ihren Batman. Mein Batman war immer Michael Keaton. Keaton, der eigentlich bürgerlich Michael Douglas heißt und sich absichtlich den Künstlernamen Keaton (nach dem Schauspieler Buster Keaton) gab. Der Grund war einfach. Michael Douglas gab es in Hollywood nun mal schon. Daher Michael Keaton.
Tim Burton inszenierte meine beiden liebsten Batman-Filme. „Batman“ von 1989 und „Batmans Rückkehr“ (Batman returns) von 1992. Damals 1989 galt es zu anfangs als äußerst gewagt Michael Keaton zu besetzen. Warum? Nun, 1988 hatte Burton mit Keaton nämlich bereits „Beetlejuice“ inszeniert. Dort war Keaton zwar auch gelegentlich düster, aber vor allem überdreht, irre und albern, wenn auch böse und hinterhältig. Das schien so gar nicht zu Batman zu passen. Man sollte sich tatsächlich täuschen.
Was heute Christian Bale als Batman für eine jüngere Generation ist, war Michael Keaton damals. Auch wenn beide die gleiche Figur darstellten, könnte der Ansatz nicht unterschiedlicher sein. Wo Tim Burton bei „Batman“ und „Batmans Rückkehr“ auf gotische Düsternis setzte und comichaft überzeichnete Action und Dramatik zeigte, setzte Christopher Nolan in seiner „Dark Knight“-Trilogie („Batman Begins“, „The Dark Knight“ und „The Dark Knight rises“) auf mehr Realismus (mit kleinen Abstrichen allerdings) und zeigte hier mehr Gewalt und glaubwürdigere Action. Beide Ansätze jedoch funktionieren auf ihre Weise äußerst gut. Dies ist ein Vorteil der „Batman“-Verfilmungen: Er lies sich immer wieder neu erfinden, ohne uninteressant zu werden.
Keaton prägte Ende der 80er und zu Beginn der 90er die Figur des Batmans mit einer gotischen Düsternis und einem Blick, der inszenatorisch immer wieder im Dunkeln verharrte. Burton wusste es, wie er die Silhouette Batmans darzustellen hatte und schuf eine comicartige finstere Welt um die Figuren herum. Visuell sind Burtons Batman-Filme bis heute immer noch beeindruckend, was aber auch Tim Burtons Stil generell gehuldigt ist. Wer Burtons andere Werke, wie „Bettlejuice“ oder „Sleepy Hollow“ kennt, weiß, was gemeint ist. Die Figur des Batman steht und fällt allerdings auch mit seinen Gegnern und genau da punkteten die Filme erneut. 1989 in „Batman“ spielte Jack Nicholson einen brillanten Joker aka Jack Napier, der es dem Dunklen Ritter besonders schwer machte. Nicholson war so gut, dass er mir als 10 Jährigen Schauer über den Rücken jagte, als ich den Film zum ersten Mal im TV sah. Die Fortsetzung „Batmans Rückkehr“ hatte es dann auch in sich und präsentierte Danny DeVito als Pinguin und Michelle Pfeiffer als Catwoman, die so unglaublich spannend und aufregend inszeniert wurde, dass sie auch bis heute meine Favoritin in dieser Rolle geblieben ist. Sie ist vor allem nicht klar einzuordnen. Sie ist weder wirklich gut, noch böse. Eher eine gebrochene Frau, die von ihrem Arbeitgeber getötet wird um dann durch eine Gruppe von Katzen wiederbelebt zu werden. Fortan will Selina Kyle (so der Name der Rolle in unterschiedlichen Filmen und Comics) Rache für das, was ihr ihr Chef Max Schreck (auch genial gespielt von Christopher Walken) angetan hat. Hierfür schreckt die Catwoman vor nichts zurück. Eine Romanze mit dem Batman entwickelt sich mit Catwoman, die aber nur tragisch enden kann.
Tatsächlich mochte ich die Kombination aus dem winterlichen Setting und Catwoman und der Pinguin in „Batmans Rückkehr“ immer am liebsten. Die Charaktere von Batman und Catwoman sind hier großartig ausgearbeitet. Beide kämpfen mit einer grausamen Vergangenheit und präsentieren im übertragenen Sinne beide zwei gespaltene Persönlichkeiten: Catwoman/Selina Kyle und Batman/Bruce Wayne. Dies wird auch thematisiert und verlieht der Handlung eine gewisse Tiefe. „Batman“ von 1989 hatte auch Tiefe, aber auf einer leicht anderen Ebene. Beide Filme sind für mich zeitlose Meisterwerke des Fantasy-Action-Kinos. Der Mix zwischen dunklen Themen und überzeichneten Darstellungen, obwohl Gewalt zurückhaltend inszeniert ist, machte den besonderen Charme aus. Trotz der FSK 12 Freigabe beider Filme blieb Gewalt nicht zu kurz, war aber unrealistisch umgesetzt. Auswirkungen von Verbrennungen, Giftgas und Chemikalien wurden auf unglaubwürdige und keinesfalls drastische Art gezeigt. Die FSK 12 bleibt gerechtfertigt, aber niedrigere Freigaben wären zu extrem gewesen. Verkohlte Körper (wenn auch nicht zwangsläufig verstörend dargestellt) sind in beiden Filmen mit Michael Keaton jeweils einmal dramatisch zu bestaunen, und dennoch bleibt das Niveau für 12 Jährige erhalten, durch immer noch subtile Inszenierungen.
Die VHS-Auflagen der beiden Filme, wie sie im Foto zu sehen sind, haben für Kaufhausauflagen aus den 90ern ein erstaunlich gutes Bild. Jeweils liegen die Filme im originalen Kino-Bildformat vor. Ansonsten ist außer klassischen Warner-Bros-Trailern nicht viel zu erwähnen. Die Tapes sehen sehr stilecht aus und haben einen besonderen Platz in meiner VHS-Sammlung.
Der düstere und dennoch für Jugendliche geeignete Stil, sollte das Batman-Franchise nahhaltig prägen. Man brach bewusst mit eher fröhlicheren filmischen Umsetzungen und auch Serien aus früheren Jahren (wie zum Beispiel Adam West in der Batman-Realserie von 1966-68). Der neue Stil, der hier durch Burton filmisch etabliert wurde (in den Comics gab es diesen schon vorher), hatte auch deutlichen Einfluss auf die animierte Batman-Serie von 1992-1999. Dort war Keatons Darstellung ein wesentlicher Faktor für den zeichnerischen Stil, aber auch das Setting und der Soundtrack orientierten sich an Burtons Stil.
2023 kehrte Michael Keatons Batman nochmals in die Kinos zurück. Diesmal nicht unter der Regie von Tim Burton, aber mit deutlichen großartig inszenierten Verweisen auf den Batman der 80er und 90er. Die Rede ist hier von Andy Muschiettis „The Flash“, welcher im alten DCU (Das DC-Kino-Universum) die Tür zu einem Multiversum aufstieß. Nur sollte es bedauerlicherweise auch damit schon fast wieder enden. Der große Erfolg blieb aus. Dennoch: Neben Ben Afflecks Batman kehrte mein geliebter Batman zurück, wenn auch bloß für einen Film. Ich musste natürlich ins Kino und genoss jeden Moment mit ihm. Klar, „The Flash“ kann es nicht mit Burtons Filmen aufnehmen, aber es war mein Batman und deswegen damals nochmals etwas ganz besonderes. Für mich wird Michael Keaton immer Batman sein.


Kommentar verfassen