Foto © Christoph Niederberger

Mein VHS-Blog zum perfekten Weihnachtsfilm „Stirb Langsam“ [Die Hard USA 1988]

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Vorsicht: Es folgen vereinzelte Spoiler!

Ich erinnere mich noch, wie ich als Jugendlicher, der noch keine 16 Jahre alt war, spät abends fernsah und beim Herumzappen bei Bruce Willis hängen blieb. Ich wusste damals nicht wer Bruce Willis war, aber ich kannte die Fernsehserie „Das Model und der Schnüffler“ [Moonlighting USA 1985-89] und ich mochte die Rolle, die Bruce darin spielte. Nur wusste ich nun mal nicht, dass dieser Mann Bruce und nicht David hieß (Bruce Willis Rolle in „Moonlighting“). Ich kannte Davids lockeren Humor und seine Albernheiten und dann sah ich beim Zappen „David“ im grauweißen Wollpulli und mit einer Kanone, wie er zwischen den Paketbändern eines Flughafens hin und her lief. Dann tauchten zwei Finsterlinge auf, die auch recht schnell das Feuer auf „David“ eröffneten. Was folgte, war ein brutaler Fight zwischen den Kontrahenten und mir wurde schnell klar, dass das nicht David war. Ein paar Szenen später erfuhr ich, ich sah hier Officer John McClane und der Film, den ich dann den Rest des abends bestaunte hieß „Stirb Langsam 2“ [Die Hard 2 1990].

So lernte ich John McClane kennen und lieben und dabei kannte ich den spektakulären ersten Teil noch gar nicht und einige Zeit später sollte ich dann den (für mich) besten Actionfilm aller Zeiten kennenlernen. Es mag etwas übertrieben wirken, aber es gibt viele Action-Fans, die dies auch so sehen.

„Stirb Langsam“ von 1988 wurde oft kopiert, manchmal recht gut und manchmal nicht. Das Konzept ist simpel. Ein Mann gegen alle auf engstem Raum mit begrenzten Mitteln. Aber „Stirb Langsam“ (oder auch im Original „Die Hard“, was so viel heißt wie „Nicht tot zu kriegen“ oder „schwer zu töten“) ist viel mehr als das. Da wäre vor allem das, was viele Fans (wie erwähnt) seit Jahren diskutieren: Ist „Stirb Langsam“ nun ein Weihnachtsfilm? Viele sagen ja. Aber nicht alle. Selbst Bruce Willis sagte vor Jahren entschieden nein, aber solche Ansichten sind immer subjektiv zu beurteilen.

Betrachten wir die Fakten:

Es ist eine Familiengeschichte. Der Ehemann reist von seinem Arbeitsplatz in New York zu dem seiner Frau Holy (wichtig auch hier allein schon der bedeutsame Name!) in L.A.. Beide leben aktuell getrennt. John will seine Ehe retten. Er trägt auch ein Foto seiner Familie (er mit seiner Frau und den Kindern) mit sich zusammen mit einer Notiz seiner Kinder „Daddy du fehlst uns. Lucy und John.“ Das gleiche Bild ist im Büro seiner Frau zu finden und wird auch im Verlauf der Story relevant bleiben. Diese Elemente machen deutlich, es geht um familiäre Probleme, Zusammenhalt und Wiedervereinigung. In Weihnachtsfilmen ist dies auch ein sehr übliches Thema.

Überall ist Weihnachten thematisch im Film vorhanden. Weihnachtsmusik wird gesummt, es läuft ein „weihnachtlicher“ Rapsong im Radio und es ist sogar Heilig Abend. Bei Holys Arbeitgeber im Nakatomi Tower in L.A. findet eine große Weihnachtsfeier statt und John ist als ihr Ehemann von Holys Boss eingeladen worden. Der Christbaum ist auch da und viele andere Merkmale des Festes.

Die Charaktere, die weihnachtliche Lieder summen, sind sowohl der Cop Al Powell, der John später den Rücken über Funk deckt und ihm hilft innerhalb des Gebäudes psychisch durchzuhalten, als auch der Chef der Terrorbande: Hans Gruber (oder in der deutschen Synchronisation Jack Gruber). Beide summen in zwei einzelnen Szenen weihnachtliche Lieder, die auch später im Film innerhalb des Soundtracks eingebunden werden. „Let it snow“ (Al) und „Ode an die Freude“ (Hans).

Weitere Elemente sind generell in den Dialogen zu finden, wie wenn Hans Gruber in Anbetracht der Situation mit dem FBI zu einem Untergebenen sagt „Es ist Weihnachten. Genau die richtige Zeit für Wunder.“ Oder auch wenn John McClane den koksenden Elis fragt „schneits in Kalifornien?“ (wobei dieser Joke nur im deutschen verwendet wird und im englischen John stattdessen auf Koksreste in der Art hinweist, dass er anmerkt „you mist something“). Es ist ohnehin ein Thema für sich, inwieweit die deutsche und englische Sprachfassung voneinander abweichen (siehe hierzu die Movietime Ausgabe dazu). Dennoch sind im englischen und im deutschen genügend weihnachtliche Anspielungen vorhanden.

Der Mann, der seine Familie und Ehe retten möchte, muss letztlich im wahrsten Sinne seine Frau retten, die von den Terroristen zusammen mit rund 30 anderen Angestellten als Geiseln genommen wurden. Das Setting ist von Weihnachten umgeben, aber natürlich geht es nicht nur darum….

„Stirb Langsam“ ist ein (im Vergleich zu modernen Actionfilmen) ruhiger Film. Der Film nimmt sich viel Zeit für die handelnden Figuren. Es gibt unglaublich viele Details zu entdecken und die Darsteller sind perfekt ausgesucht und spielen großartig auf. Allen voran Alan Rickman, der den Edelschurken Hans/Jack Gruber spielt und so wunderbar bösartig elegant ist, dass es eine reine Freude ist ihm zuzusehen. Hier trifft, wie bei Bruce Willis auch, die Synchronisation genauso ins Schwarze, wie auch im O-Ton, obwohl wirklich die Originalfassung auf Englisch selbstverständlich besser ist. Manches geht durch eine stark abweichende deutsche Synchronisation verloren, aber das macht die Synchronisation jetzt nicht schlecht, sondern nur anders und ebenfalls sehr gut. Nur ist im Gegensatz zur sehr guten Synchronisation das Original auf Englisch viel mehr und einfach nur genial. Man sollte beides gesehen haben.

Das Duell John McClane vs Hans Gruber und auch die Auseinandersetzung mit den anderen Gangstern (vor allem hier bedeutend zu nennen Karl bzw Charlie als kühl finsteren hochgewachsenen Killer mit blondem Haar) ist fesselnd ohne Ende. Trotz allem läuft der Großteil des Duells John vs Hans über Funk ab und erst später gibt es ein erstes und ein Finales hartes Aufeinandertreffen der Beiden. Ganz besonders dramatisch (Spoiler!) ist das Finale.

Oft sagen Fans zu Weihnachten nicht ohne Grund „Es ist nicht Weihnachten, solange Hans Gruber nicht vom Nakatomi Tower gestürzt ist.“ Hans Sturz in den Tod ist ebenso episch, wie der Film selbst. Der überraschte Blick und dann der langsam in Zeitlupe ablaufende Sturz in die Tiefe ist genial gefilmt und fesselt einfach.

Ein wahrer Klassiker.

Zur VHS kann viel gesagt werden. Eines ist besonders deutlich in allen deutschen Veröffentlichungen anzumerken, dass bedauerlicherweise jede einzelne Auflage um knapp eine Minute in allen Gewaltszenen zensiert wurde. Das macht diese Fassung auf Video nicht besonders gut, im Gegensatz zu den modernen DVDs und Blurays, die inzwischen alle komplett ungekürzt sind. Nur die erste DVD-Auflage in Deutschland war noch immer in einer knappen Sequenz zensiert, wenn auch bedeutend weniger cut, als die VHS-Auflagen.

Dennoch gab es einige Auflagen auf VHS, die durchaus interessant sind. Natürlich waren einige in 4:3 herangezoomt, wie es nun mal damals üblich war, aber es gab auch mehrere Auflagen im Widescreen-Format mit allen Bilddetails. Ich selbst habe jahrelang „Stirb Langsam“ nur gekürzt gekannt. Zuerst sah ich ihn noch härter gekürzt im TV. Da war er zwar ab 16, wie es die ungekürzte Fassung übrigens auch ist, aber damals setzte man bereits allein im Kino ja schon die Schere an, da man bei der Veröffentlichung 1988 eine 18er Freigabe befürchtete. Daher war der Film lange Zeit nur gekürzt zu sehen und das auch auf VHS, nur, dass mir dies damals als Jugendlicher nicht wirklich bekannt war. Im Vergleich dazu war die DVD später eine wirkliche Offenbarung. Knallhart und einfach nur gut und tatsächlich nach wie vor ab 16 und ja, ungekürzt heutzutage!!! Daher ziehe ich meist tatsächlich hier die DVD oder die Bluray der VHS vor, aber ab und zu habe ich dennoch meinen Spaß an der alten VHS-Kassettte, schließlich habe ich diesen Klassiker so erst richtig eingehend kennengelernt.

Ich rate zwar zur modernsten Version des Films, da es so am meisten Spaß macht, aber ich möchte trotzdem anmerken, dass man sich bei der VHS viel Mühe gab, trotz der Zensuren. Beides ist schön. Natürlich ist allerdings zu Weihnachten „Stirb Langsam“ ungekürzt viel schöner. Hey, aber wenn ihr es wagen wollt, habe ich gelesen, dass RTL2 sich vorgenommen hat diesen Film um 20:15 in einer gekürzten FSK 12 Fassung auszustrahlen. Wer sich das antun möchte, kann mein Erlebnis aus den 90ern mit der TV-Version eventuell nachempfinden. Online ist der Film aber ungekürzt vorhanden, sowohl im Stream als auch zum Kauf. Ich nehme mir diesmal wieder die DVD vor. Die VHS habe ich zuletzt erst geguckt 😉

Euch allen ein herzliches Jippijajay und frohe Feiertage.


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