And they still don’t listen
Die Golden Globes 2026 wurden verliehen. Habt ihr nicht mitbekommen? Ich mache euch keinen Vorwurf – außerhalb unserer Filmbubble war das nämlich kaum präsent. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, in diesem kurzen Text versuche ich darauf einzugehen und vorneweg ein Spoiler: Sie sind selber schuld. Aber der Reihe nach.
You’re in no position to lecture the public. About anything.
Und sie tun es doch. Jedes Jahr aufs Neue, und merken dabei nicht einmal, dass es einfach niemanden mehr interessiert. Das ist der Zauber von Social Media, von Übersättigung, und dem Fakt, dass sie eigentlich keine Ahnung haben, worüber sie da überhaupt reden. Allerdings: Die Zeiten sind vorbei, wo man auf sie hörte – Man hat sich, weitestgehend, neue Vorbilder gesucht, und die finden sich in den allerseltensten Fällen in teuren Anzügen auf Selbstbeweihräucherungevents wie eben den Globes, sondern auf YouTube, TikTok oder Instagram. Trauriger Höhepunkt dieser „Gala“ war, wie eigentlich erwartet, der Auftritt von Wanda Sykes – Jemand, der sich bis heute dagegen wehrt, einzusehen, dass ihre Zeit im Rampenlicht vorbei ist. Die ach so progressiven Medien in Deutschland feiern sie natürlich ab – ein weiteres Zeichen dafür, dass das vollkommen irrelevant ist, was sie zu sagen hatte, diskutieren sollten wir es aber trotzdem. Sie nimmt einen Award für Ricky Gervais an, der für das „beste Stand-Up-Special“ ausgezeichnet wird und tut das mit einem Rundumschlag, der sich zu keiner Sekunde wie Comedy, sondern wie eine Abrechnung anfühlt. Sie beleidigt Bill Maher, wünscht sich, weniger von ihm zu sehen (man stelle sich vor, ein Mann würde das in Richtung einer Frau sagen), dankt völlig zusammenhanglos Gott und der Transcommunity (?!) und bezeichnet Gervais als einen von zwei „mittelmäßigen weißen Männern“. Tja, Wanda, wie fühlt sich das an, wenn ein mittelmäßiger Weißer in seinem Leben bisher um ein Vielfaches mehr erreicht hat als du? Muss wehtun. Übrigens – Einladung zu einem tollen Spiel: Schaut euch Interviews, Reden oder generelle Auftritte von Sykes an und jedes Mal, wenn sie ihre Hautfarbe, Geschlecht oder sexuelle Orientierung erwähnt, müsst ihr eine Runde ums Haus laufen. Am Ende des Abends seid ihr austrainiert für einen Marathon, das garantiere ich euch.
You know nothing about the real world.
Mark Ruffalo. Mehr muss man eigentlich mittlerweile nicht mehr sagen, um das, was hier falsch läuft, beim Namen zu nennen. Er steht da in einem für Normalsterbliche unleistbaren Anzug, mit seinem ach so wichtigen Pin am Revers und schwafelt davon, die Nacht überhaupt nicht genießen zu können. Stellt sich dann die Frage, Mark: Warum bist du trotzdem gekommen? Ich kann es beantworten: Weil diese Award-Shows ein Safe Space für deine Anliegen sind, was sich ja auch in den Preisen selber eindeutig gezeigt hat. Der, vorsichtig ausgedrückt, kontroverse „One Battle After Another“ ist der große Abräumer des Abends – überhaupt keine Überraschung, bringt der doch alles auf den Punkt, was Hollywood so großartig findet aktuell: Kompetent gemacht, toll geschauspielert und mit tonnenweise Message ausgestattet. Interessiert zwar kaum jemanden, aber darum geht es hier nicht. Unterhaltung kann man sich ja mittlerweile vom Awards-Body nicht mehr erwarten, denn auf den Casual schauen sie da ja schon lange nicht mehr. Wenn dann wieder mal ein großes und wirklich, anscheinend, wichtiges Projekt floppt – ratet mal, wer Schuld ist? Ja, genau, das Publikum. Weil es einfach nicht versteht, was wir da tun in Hollywood. Wir sind doch die Guten, wir zeigen ihnen ja, wie die Welt funktioniert. Also, unsere da, in L.A. Die, aus der viele flüchten, weil sie es nicht mehr ertragen können. Nicht die Richtige. Davon haben sie nämlich keine Ahnung.
Seriously, most films are awful.
Award-Shows sind in Schwierigkeiten aktuell, und nur ein Teil davon liegt an der Art und Weise, wie sie es präsentieren – der Inhalt ist mindestens genauso verantwortlich dafür. Warum es so wenige Leute interessiert, welche Leistungen hier prämiert werden? Na, einfach: Weil man diese Leistungen nicht mehr kennt. Hier werden, erneut, Dinge nominiert und ausgezeichnet, mit denen einfach zu viele Menschen nichts anfangen können, und man wundert sich dann, dass immer weniger Menschen überhaupt Lust haben, da mit dabei zu sein. Beispiele gefällig? Sinners, riesiger Erfolg am US-Boxoffice, bekommt den „Trostpreis“ fürs Cinematic and Boxoffice-Achievement, eine Kategorie, die kein Mensch versteht. Kleine Filme werden erneut vorgezogen, Sentimental Value bewährt sich, verdient, muss man sagen, aber nicht relevant für die große Audienz. Liegt das an den Globes? Nein, aber sie sind Teil des Problems, weil immer so getan wird, als können die großen Kinoerfolge nichts bieten, was hier in diesen Shows Platz finden würde, und das stimmt so einfach nicht. Darüber kann man sicher gepflegt diskutieren, allerdings haben es uns die Globes heuer richtig einfach gemacht und bereits bei den Nominierungen gezeigt, wie ernst man sie noch nehmen kann, indem sie Bella Ramsey für ihre Rolle als Ellie in der zweiten Staffel von The Last of Us ernsthaft für einen Darstellerpreis nominiert haben. Any questions, guys?
Shut up. I don’t care.
Und was mein größtes Problem in den letzten Jahren mit den Globes geworden ist? Sie machen keinen Spaß mehr. Früher war diese Veranstaltung der kleine, laute Cousin der „seriösen“ Veranstaltungen dieser Zeit – wo man sich traf, viel trank, noch mehr aß und dann den einen Moment produzierte, der sie nahbar machte, fehlerbehaftet und charmant. Diese Zeiten sind vorbei, denn sie mussten ja wichtig sein. Sie mussten zeigen: Hier gibt es keinen Platz für so etwas, das ist alles viel zu wichtig, ja, sie sind viel zu wichtig. Neben all den Vorhersehbarkeiten, Ärgernissen und politischen Ergüssen unserer Stars und Sternchen fällt eines einfach immer mehr auf: Das alles ist unglaublich fad geworden, und wenn die Show mit ihren Preisen nicht für Spannung sorgt, bleibt eigentlich nichts mehr über. Die Frage, die sich mir dann stellt: Warum sollte man dann überhaupt noch einschalten? Seht ihr – und darum geht’s am Ende.


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