Man stelle sich folgendes vor: Es ist der 06.10.1977. Die Haare sitzen, das Popcorn knistert und eine Achterbahn saust im Sensurround-Sound durch die deutschen Kinosäle – ein Katastrophenthriller, der seinem Namen alle Ehre macht. Doch kaum war der Film über die große Leinwand gerattert, begann für Fans eine holprige Fahrt voller Kurven, Stopps und seltsamer Umwege: Die Veröffentlichungsgeschichte dieses Films ist selbst eine Achterbahnfahrt der besonderen Art.
Vier Jahre Geduldsprobe – Willkommen in der Videothekensteinzeit!
Fast hätte man geglaubt, der Film sei im Looping verloren gegangen, denn erst vier Jahre später, im Oktober 1981, rollte ACHTERBAHN endlich in die heimischen Videotheken – damals noch auf VHS und dem sagenumwobenen System Video 2000 (Kenner nicken ehrfürchtig). Doch leider war der Ritt deutlich verkürzt und im biederen 1.33:1-Vollbild, was echte Cineasten bis heute nervös zucken lässt. Immerhin: Der Vorspann durfte im breiteren Format glänzen – samt eingedeutschter Schrift, wie es sich für die gute alte Bundesrepublik gehörte. Und ja, die blutige Schockszene am Ende? War drin. Noch jedenfalls.
Fernseh-Premiere mit Knalleffekt
Noch kurz bevor sich im deutschen Fernsehen die Erde mit ERDBEBEN (1974) bewegen sollte, bebte erst einmal die ACHTERBAHN durch das TV-Bild! Am 23.07.1983 raste der Film in der ZDF-Primetime über die Mattscheiben – und zwar ungeschnitten, im sanften Breitbildformat und mit Einschaltquoten, von denen heutige Streamingdienste nur träumen können. Danach wurde der Streifen immer mal wieder aus dem Archiv geholt, bis ihn die Privatfernsehlandschaft der 90er und 2000er Jahren gnadenlos zu Tode kürzte und nachmittags zwischen Werbepausen verramschte.
1993: Ein Hoffnungsschimmer auf VHS – mit kleinem Makel
1993 der nächste Looping: Universal Pictures brachte ACHTERBAHN als VHS-Kaufkassette in den Handel. Fast ungeschnitten, aber – wie soll’s auch anders sein – die blutige Fratze des Bösewichts wurde wieder entfernt. Dafür: Endlich Widescreen 2.35:1! Ein Fortschritt für Fans mit Sinn für Kinoästhetik.
Digital wird’s – na ja… so halb
Zwölf Jahre später, 2005: Das digitale Zeitalter erreicht den Thrillride. ACHTERBAHN erscheint auf DVD – allerdings mit der gleichen, bereits bekannten Schnittfassung wie die VHS. Auch die spätere Veröffentlichung in der „Thriller-Box“ (Box Nr. 6, ein Fest für Freunde von BODY COUNT bis SNIPER) brachte keine neuen Überraschungen, außer vielleicht für Leute, die dachten, TEMPO sei ein Taschentuch-Film.
Der große Wurf: Blu-ray mit allem, was das Fan-Herz höherschlagen lässt
Dann, endlich, nochmals 12 Jahre später – 2017 – zum 40. Jubiläum – geht der Traum in Erfüllung: Koch Media (heute Plaion Pictures) bringt ACHTERBAHN in High-Definition-Pracht auf Blu-ray! Komplett uncut, im originalen Cinemascope-Format 2.35:1, inklusive Bonusmaterial vom Feinsten: Interviews, Bildergalerien, Trailer und ein Ausflug zur echten „Revolution“-Achterbahn. Nur ein kleiner Fauxpas bei zwei Szenen der deutschen Synchro trübte das Bild – wurde aber brav per Neuauflage behoben.
Fazit: Ein Film auf Schienen – und eine Veröffentlichungshistorie wie ein Looping
Was für eine irre Fahrt! Von geschnitten und verpixelt bis hin zu hochauflösend und liebevoll restauriert hat unser Film ACHTERBAHN so ziemlich jeden Medienzustand durchlebt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Film – nun da ERDBEBEN (1974) in den USA auf 4K naht – bald selbst mit einem glanzvollen UHD-Upgrade nachzieht. Verdient hätte er es allemal.
Anschnallen und festhalten – das Medienkarussell dreht sich weiter!


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