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Contact (USA 1997)

Avatar von Sven Wedekin

Regie: Robert Zemeckis; Buch: James V. Hart & Michael Goldenberg nach dem Roman von Carl Sagan; Darsteller: Jodie Foster, Matthew McConaughey, James Woods, Tom Skerritt, David Morse, William Fichtner, John Hurt, Angela Bassett

Auf der Suche nach dem Sinn…

Seit der Mensch erkannte wie gewaltig die Dimensionen des Universums sind, das ihn umgibt, treibt ihn die Frage um, ob es irgendwo dort draußen womöglich noch andere intelligente Wesen geben könnte, wobei er selbstverständlich seine eigene Geisteskraft stets als Maßstab dafür zu benutzen pflegte was „Intelligenz“ bedeutet.

Der berühmte US-Astronom und Pulitzer-Preisträger Prof. Carl Sagan hat sich sein ganzes Leben lang besonders intensiv mit der Frage beschäftigt wie wahrscheinlich es wohl ist, dass wir nicht allein im All sind und ob es vielleicht sogar möglich wäre mit eventuell vorhanden, fremden Zivilisationen Kontakt aufzunehmen. In zahlreichen populärwissenschaftlichen Büchern und Artikeln versuchte er den Geist seiner Leser für die Möglichkeit zu öffnen, dass weit fortgeschrittenen außerirdische Völker im Universum der Normalfall sein könnten und erreichte damit Millionenauflagen.

Im Jahr 1985 wagte sich der renommierte Wissenschaftler auf neues Terrain und veröffentlichte erstmals einen Science-Fiction Roman. Sagan wollte dadurch sein Publikum erweitern und auch Menschen erreichen, die sich eher nicht für ein astronomisches Sachbuch erwärmen würden.

Sagans Geschichte basierte auf einen Drehbuchentwurf, den er einige Jahre zuvor gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Ann Druyan verfasste. Für dessen Realisierung konnte er jedoch zunächst keinen Produzenten begeistern. Also beschloss er den Entwurf zu einem Roman zu verarbeiten, der prompt die Spitzenpositionen der Bestsellerlisten eroberte.

Doch die Hoffnung die Geschichte eines Tages doch noch auf die Kinoleinwand bringen zu können ließ ihn nicht los und zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buchs beschlossen die Warner Brothers Studios für den Stoff doch noch verfilmen. Mit der Inszenierung wurde der durch die „Zurück in die Zukunft“ Trilogie bekannt gewordene und für „Forrest Gump“ mit den Oscar ausgezeichnete Regisseur Robert Zemeckis betraut.

Für die Darstellung der Hauptfigur, der jungen idealistischen Astronomin Dr. Ellie Arroway, konnte Jodie Foster gewonnen werden. Ihr Engagement erwies sich als großer Coup, da sich die ebenfalls bereits mit den Oscar ausgezeichnete Charakterdarstellerin als die Idealbesetzung für die kompromisslos zu ihren Überzeugungen stehende Wissenschaftlerin herausstellte.

Entgegen aller Widerstände gelingt es ihr die finanziellen Mittel für eine groß angelegte Suchaktion nach extraterristischen Radiosignalen zusammen zu bekommen. Während ihrer Arbeit lernt sie zufällig den charismatischen Geistlichen Palmer Joss (Matthew McConaughey) kennen. Doch Ellie, die seit den frühen Tod ihres Vaters mit der Religion gebrochen hat, nachdem diese nicht dazu fähig war sie über den Verlust zu trösten, sieht sich außerstande eine intensivere Beziehung mit den Kirchenmann einzugehen und widmet sich stattdessen weiterhin ganz ihren Forschungen.

Jahre später gelingt es ihr mittels riesiger Radioteleskope tatsächlich eine Botschaft aus den Tiefen des Alls aufzufangen, als deren Ursprungsort sich der Stern Wega herausstellt. Sie beinhaltet den Bauplan für eine Maschine, mit der es möglich wäre einen Menschen innerhalb kürzester Zeit zu der Heimatwelt der Außerirdischen zu transportieren. Ellie wird auserwählt die große Reise anzutreten. Sie gelangt in das Zentrum der Milchstraße, wo sie eine Erfahrung macht, die nicht nur ihre Sicht auf das Universum, sondern auch auf ihre Mitmenschen für immer verändert…

Contact“ unterscheidet sich auf vielen Ebenen von den für Hollywood üblichen, inhaltlich meist recht oberflächlichen Effektspektakeln, unter den Deckmantel des Science-Fiction Genres produziert werden. Dies ist mehr als die simple Geschichte über den ersten Kontakt zwischen Menschen und Außerirdischen. Vielmehr versteckt sich unter dieser Prämisse ein durchaus komplexes Psychogramm seiner Hauptperson. Am Beispiel der Astronomin Dr. Arroway, der es schwerfällt in Kontakt mit anderen Menschen zu treten wird die Isolation der Menschheit in den Weiten des Weltalls metaphorisch veranschaulicht: Durch die einleitende dreiminütige Kamerafahrt, die von der Erde, durch das Sonnensystem aus der Milchstraße hinaus bis in die Unendlichkeit führt und schließlich mit einem Zoom aus dem Auge der am Amateurfunkgerät ihres Vaters sitzenden, neunjährigen Ellie endet wird die Verlorenheit unserer Spezies im Kosmos eindrucksvoll illustriert.

Als ersten Hinweis auf die wahre Motivation Ellies für ihre spätere Suche nach Funksignalen von den Sternen zeigt uns Zemeckis, wie sie als kleines Mädchen eines Nachts heimlich versucht über Funk mit der bei ihrer Geburt verstorbenen Mutter Kontakt aufzunehmen.

Als kurze Zeit später auch noch ihr Vater an Herzversagen stirbt, wird ihr Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt. Das letzte Bild aus Ellies Kindheit zeigt sie uns bei ihren ebenso verzweifelten wie sinnlosen Versuch auch ihren Vater über dessen Funkgerät zu erreichen. Denn in ihrer kindlichen Unschuld hofft sie, dass er sich womöglich zusammen mit ihrer Mutter irgendwo in einer anderen Welt befindet, wo sie ihn mit Hilfe der Technik, deren Umgang sie von ihm erlernt hat, wieder finden kann. So wird gleich im ersten Akt des Films deutlich wo sein zentrales Thema liegt:

Es geht darum wie wir Menschen auf unterschiedliche Art mit der Tatsache umzugehen versuchen auf einen völlig unbedeutenden, kleinen Planeten in einem Universum zu leben dessen schiere Größe uns fast schon schmerzhaft an die Endlichkeit unseres eigenen Lebens erinnert.

Es ist das Bewusstsein dieser Endlichkeit, das in vielen von uns – so Ellies feste Überzeugung – den Glauben an einen allmächtigen Gott entstehen ließ, durch den wir unserer Existenz einen höheren Sinn zu geben versuchen.

Doch für die eingefleischte Skeptikerin ist es am wichtigsten nichts einfach so zu glauben, sondern empirische Beweise für außergewöhnliche Behauptungen zu verlangen. In einer kurzen, aber entscheidenden Szene, gleich zu Beginn, zeigt uns Zemeckis wie ihre Zweifel an religiösen Dogmen entstanden sind: Nach den unerwarteten Tod ihres Vaters, an dem sie sich eine Mitschuld gibt, gibt der örtliche Pfarrer ihr den hilflosen Rat diesen Verlust als Willen Gottes einfach zu akzeptieren. Kein Wunder, dass die erwachsene Wissenschaftlerin Ellie zu der Meinung gelangt ist, die Menschen hätten ein solch höheres Wesen nur erfunden, um sich im Universum nicht mehr so allein fühlen zu müssen.

Doch nachdem Ellie die fremde Botschaft empfangen hat gerät sie – zunächst ohne es bewusst zu bemerken – mehr und mehr selbst in die Lage eines religiösen Menschen, der sich für seinen Glauben rechtfertigen muss. Dies beginnt mit ihrer Glauben, dass die Außerirdischen mit ihrer Botschaft friedliche Absichten verfolgen und es sich bei der Maschine nicht um eine gefährliche Massenvernichtungswaffe handelt.

Später gesteht sie Palmer gegenüber, ihr Hauptantrieb bei ihrer lebenslangen Suche nach außerirdischen Intelligenzen sei es immer gewesen einen tieferen Sinn für die Existenz des Menschen zu finden. Damit wird klar, dass sich Ellie in ihrem tiefsten Inneren mit den gleichen Fragen beschäftigt wie ein moderner Gottsucher. Als sie jedoch von Palmer nach ihren eigenen Glauben an Gott gefragt wird, bleibt sie standhaft bei ihrer Maxime, dass es wenn es für ein Phänomen zwei sich ausschließende Erklärungen gäbe die naheliegendste auch die Wahrscheinlichere sei. Und die Existenz eines unsichtbaren Schöpfers ist für sie eindeutig weniger wahrscheinlich als die Möglichkeit, dass wir uns ein solches Wesen nur ausgedacht haben. Diese Ehrlichkeit führt schließlich auch zum vorübergehenden Bruch zwischen ihr und Palmer, der zunächst kein Verständnis für ihre kompromisslose Haltung aufzubringen vermag. Glücklicherweise bleibt Ellie bis zum Schluss auf ihren Standpunkt. Es wäre wirklich fürchterlich platt gewesen, wäre sie am Ende durch ihre Erlebnisse zum Glauben an Gott bekehrt worden.

Der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wird eher selten in Hollywood Großproduktionen thematisiert, da man sich in den Chefetagen der Traumfabrik offenbar nicht vorstellen kann ein großes Publikum mit einem solch philosophischen Thema in die Kinos locken zu können. Oder womöglich fürchtet man sich auch vor den Konsequenzen, wenn sich einflussreiche kirchliche Autoritäten auf den Schlips zu treten.

Oberflächlich betrachtet mag dies einer der Gründe dafür sein warum die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptcharakteren einen breiteren Raum einnimmt als tiefgründige theologische Diskussionen. Manchen Kritiker haben bemängelt, dass diese nur dafür da ist den Film für das Massenpublikum zugänglicher zu machen, weswegen er mehr Tiefe vorzugaukeln besitzt als er tatsächlich hat. Aber bei näheren Hinsehen erkennt man schnell, dass es hier um wesentlich mehr geht als nur um eine vordergründige Romanze. Die schwierige Beziehung zwischen der Rationalistin Ellie und dem spirituell denkenden Palmer Joss ist vor allem als eine Metapher für die vermeintliche Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Religion zu verstehen.

Doch schließlich lernt Ellie durch ihre Reise, die sie bis in das Zentrum der Milchstraße führt, dass uns weder der Glaube an einen Gott noch die Suche nach überlegenen außerirdischen Intelligenzen wirklich dabei helfen können die Leere um uns herum – und auch in unseren eigenen Inneren – erträglich zu machen. Die Begegnung mit den unvorstellbar weit fortgeschrittenen Absendern der Botschaft von der Wega lehrt Sie, dass die Antwort auf die Frage „Sind wir allein im Universum?“, die sie ihr Leben lang beschäftigte die ganze Zeit über vor ihren Augen war. Aber sie war immer zu sehr damit beschäftigt die Menschen, die den Ursprung des Kosmos in irgendwelchen Schöpfungsmythen zu finden glaubten als Unvernünftig zu entlarven, um sie auch wahrzunehmen: Von uns ist niemand wirklich allein. Denn wir haben einander…


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