USA 1979; Regie: Steven Spielberg; Buch: Robert Zemeckis, Bob Gale & John Millius
Darsteller: Dan Aykroyd, Ned Beatty, Robert Stack, John Belushi, Nancy Allen, Booby DiCicco, Toshiro Mifune, Christopher Lee
Wenige Tage nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour taucht ein japanisches U-Boot vor der amerikanischen Westküste auf, dessen Kommandeur (Toshiro Mifune) Hollywood beschießen will, um so die Moral der Amerikaner zu brechen. Dies hat zufolge, dass in der Bevölkerung Panik ausbricht, da man den Beginn einer japanischen Invasion befürchtet. Ein Sammelsurium schräger Figuren stellt sich daraufhin dem Feind entgegen: Der durchgeknallte Air Force Pilot „Wild Bill“ Kelso (John Belushi) versucht die – nicht vorhandene – Invasionsflotte im Alleingang aufzuhalten, der patriotische Sergeant Frank Tree (Dan Aykroyd) ruft die Bewohner Hollywoods zum Widerstand auf und der unbescholtene Hausbesitzer Ward Douglas (Ned Beatty) hat sich fest vorgenommen das U-Boot mit einem in seinem Garten aufgestellten Flak-Geschütz zu versenken. Außerdem versucht in dem ganzen Chaos der junge Koch Wally Stephens (Bobby diChicco) seine Angebetete Betty aus den Fängen des großspurigen Corporal Sitarski (Treat Williams) zu befreien.
Am nächsten Morgen liegt der Hollywood Boulevard in Schutt und Asche, ein Riesenrad wurde im Meer versenkt und die Japaner kehren im Glauben einen großen Sieg errungen zu haben nach Hause zurück – wenn auch mit einem ungebetenen Gast an Bord…
Nach den Megaerfolgen von „Der Weiße Hai“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ hatte die Karriere von Steven Spielberg, dem neuen Wunderkind der amerikanischen Filmindustrie, ihren ersten Höhepunkt erreicht. Mit diesen beiden Werken hatte sich das Jungtalent in den Olymp der kommerziell erfolgreichsten Regisseure hochgearbeitet und auch die Kritiker überschütteten ihn mit Lob, weswegen er sich bei seinem nächsten Projekt so richtig austoben dürfte.
„1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood“ ist eine übermütige, mit gewaltigen Aufwand und riesiger Starpower inszenierte Komödie, ein Genre, welches für Spielberg zu diesem Zeitpunkt noch fremd war. Sie beginnt eher ruhig, wird von Minute zu Minute jedoch immer rasanter und actionlastiger, bis sie im dritten Akt schließlich in einer infernalischen Materialschlacht endet, in der kein Stein auf den anderen bleibt.
Das Drehbuch wurde von den späteren „Zurück in die Zukunft“ Machern Robert Zemeckis und Bob Gale verfasst, und war ursprünglich als ernstes Kriegsdrama über den Beschuss einer kalifornischen Ölraffinerie durch ein japanisches U-Boot, welcher im Jahr 1942 tatsächlich stattfand, konzipiert. Erst nachdem Spielberg in das Projekt einstieg wurde eine Komödie daraus. Als solche war sie als Satire auf die Kriegsängste der Amerikaner unmittelbar nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour geplant, verwandelt sich aber in eine in jeder Hinsicht übertriebene Orgie aus albernen Slapstick Humor und selbst zweckhaften Actiongetöse. Man scheute keine Kosten und Mühen, versammelte ein beispielloses Staraufgebot vor der Kamera und ließ riesige Kulissen und detaillierte Miniaturen anfertigen nur um diese dann genüsslich wieder zu zerstören.
Anders als in seinen beiden Vorgängerarbeiten versucht Spielberg hier nicht seinem Publikum Angst einzujagen oder sie mit einem Märchen für Erwachsene zu verzaubern. Vielmehr orientierte er sich am Genre der klassischen Screwballkomödie, die zuerst recht langsam beginnt, dann aber mit zunehmender Laufzeit immer turbulenter wird. Am Ende gipfelt der Streifen schließlich in einer Zerstörungsorgie, die eines Michael Bay würdig wäre.
Bei der Kritik kam der Film diesmal leider alles andere als gut weg, was verschiedene Gründe hatte: Die eigentlich ganz guten Schauspieler haben kaum Gelegenheit ihre Talente voll auszuschöpfen, da das schwache Skript ihren Rollen nur wenig Profil und Tiefe gibt. Dies wird auch dadurch erschwert, dass der Cast sich aus einer kaum überschaubaren Schar an namhaften Darstellern zusammensetzt, die sich gegenseitig das Wasser abgraben, so dass dem Film eine konkrete Hauptfigur fehlt, mit der man sich als Zuschauer identifizieren kann. Am ehesten sticht hier noch der viel zu früh verstorbene „Saturday Night Live“ Star John Belushi als dauerbetrunkener Teufelspilot „Wild Bill“ Kelso heraus. Aber auch er ist keine wirklich zentrale Bezugsperson, sondern reiht sich nur in einen wilden Haufen comichaft überzeichneter Charaktere ein, die allesamt schon beinahe etwas hyperaktiv agieren – in keinem anderen Spielberg Film wird soviel geschrien wie hier.
Womit wir beim zweiten Problem wären: Spielberg versucht hier gar nicht erst sein Publikum mit feinsinnigen Humor zum Lachen zu bringen. Vielmehr torpediert er es mit einer wilden Mischung aus Slapstick, Tanzeinlagen und ausufernden Actionszenen, so das man sich als Zuschauer am Schluss fast schon etwas überfordert fühlt.
Insgesamt wirkt der Streifen irgendwie lieblos zusammengestoppelt, es fehlt ein inhaltlicher roter Faden, der den einzelnen Szenen, in denen die Handlung immer wieder von einem Schauplatz zum anderen springt ein gemeinsames Zentrum geben. Es ist dem Regisseur einfach nicht gelungen das satirische Potential der Story wirklich voll auszuschöpfen, was schade ist, da hier sehr viel mehr drin gewesen wäre.
Doch aller Kritik zum Trotz ist „1941“ kein wirklich schlechter Film. Die spektakulären visuellen Schauwerte und die ohne größere Durchhänger vorangetriebene Handlung ergeben durchaus unterhaltsame zwei Stunden. Hierzu tragen die wirklich eindrucksvollen Miniatureffekte des kürzlich verstorbenen Greg Jein ebenso bei, wie John Williams wie immer großartige Musik. Man kann an diesen Fremdkörper in Steven Spielbergs Filmographie wirklich seinen Spaß haben, wenn man keine allzu hohen Ansprüche stellt und nicht den Fehler macht einen Meilenstein wie die beiden vorangegangen Spielberg Produktionen zu erwarten. „1941“ ist vor allem übertriebener Schwachsinn, der ohne Handbremse inszeniert worden ist und der trotz – oder gerade weil – ihm viele typische Zutaten aus den Filmen des Hitregisseurs fehlen durchaus einen Blick wert ist, denn hier gibt es keine Sentimentalitäten und auch keine mit dem erhobenen Zeigefinger vorgetragenen moralischen Botschaften, was wiederum irgendwie wohltuend ist.
Aber um es nochmal klar zu sagen: Der Wert dieses Streifens liegt nicht in seinen inhaltlichen Qualitäten – diese sind her überschaubar – sondern darin, dass er zeigt, dass auch eine nur bedingt witzige und vor allem wegen ihre Schauwerte interessante Komödie auf eine eigentümliche Art unterhaltsam sein kann…


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