Was wäre, wenn Tarzan plötzlich College-Sportler würde? Klingt verrückt? Willkommen bei „Big Boy – Der aus dem Dschungel kam“ („The World’s Greatest Athlete“, USA 1973), einem Film, den heute kaum noch jemand kennt – aber einst ein echter Publikumserfolg war.
Worum geht es in dieser Disney-Komödie: College-Trainer Sam Archer (John Amos) steckt tief in der Krise. Sein Team ist schlecht, seine Geduld ist am Ende – und sein Job steht auf dem Spiel. Doch eine Reise nach Afrika mit seinem Assistenten bringt die Wende: Sie entdecken Nanu, einen Naturburschen mit unglaublichen athletischen Fähigkeiten. Was folgt, ist eine herrlich absurde Mischung aus „Fish out of Water“-Komödie, Sportfilm und 70s-Charme – typisch Disney, aber mit mehr Dschungelstaub. Das sportliche Finale ist ein interkollegialer Zehnkampf – mit echten Stuntmen und viel Slapstick. Höhepunkt: Nanus Sieg beim 100-Meter-Lauf in gerade einmal acht Sekunden. Physikalisch unmöglich? Absolut! Spaßig? Unbedingt!
Die Produktionsgeschichte bietet so manches Highlight. Gedreht wurde an verschiedenen Orten in Kalifornien, während die aufwendigen Innen- und Spezialeffekte in den Disney-Studios in Burbank entstanden. Die Spezialeffekte rund um eine Miniatur-Verkleinerung waren technisch sehr aufwendig, aber das Studio ließ es sich dennoch einiges kosten. Ein riesiges Telefon kostete stolze 7.900 Dollar, eine überdimensionierte Handtasche sogar 15.000 Dollar. Während dieser Szenen war Schauspieler Tim Conway der Miniatur-Mensch und in dieser sowie anderen Szenen wurde er durch die Stuntlegende Dick Warlock (bekannt aus zahlreichen Action- und Horrorfilmen und auch „Erdbeben“ USA 1974) gedoubelt. Warlock war zudem auch der Stuntkoordinator der Produktion. Auch was die visuelle Magie angeht, griff man hier nicht zu kurz. Das Matte-Painting, inklusive eines gemalten Bildes der Chinesischen Mauer, stammte vom Künstler Alan Maley. Die Musik stammt von keinem Geringeren als Marvin Hamlisch, späterer Oscar- und Grammy-Preisträger. Seine leichten, beschwingten Melodien tragen den Humor des Films perfekt.
„Big Boy“ war der erste Disney-Kinofilm im 50. Jahr der Studio-Geschichte – also eine kleine Jubiläumsproduktion. Auch wenn der Kinostart in der legendären Radio City Music Hall in Manhattan mit 125.000 Dollar eher verhalten ausfiel, entwickelte sich „Big Boy“ zum Kassenhit des Jahres 1973. In den USA und Kanada spielte der Film über 22,5 Millionen Dollar ein – heute fast vergessen, damals ein Renner. – Warum sollte der Film heute noch interessieren? Ganz einfach, weil er eine charmante Parodie ist, und das zwischen „Tarzan“, „Herbie“ und „Cool Runnings“. Für Disney-Fans ohnehin ein Muss, gerade auch weil es ein Stück 70er-Disney-Geschichte darstellt.
Fun Fact zum Schluss: Der Film spielt am fiktiven „Merrivale College“. Ein Name, der fast identisch klingt wie „Medfield College“, der klassischen Disney-Universität aus Filmen wie „Flubber“ oder „Der stärkste Mann der Welt“. Zufall? Wohl kaum. Disney baute sich schon früh sein eigenes filmisches Universum – lange vor Marvel.


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