Ein geheimnisvoller Fremder. Eine Leiche. Und ein Hausmeister, der zu viel weiß. – Das ist die Zusammensetzung dieses TV-Thrillers zu dem wir vor einem Jahr in unserem Format MOVIETIME ein kleines Review präsentierten. Den Film sah ich damals Anfang der 90er Jahre im TV. Natürlich hat dadurch der Film auf mich einen anderen Eindruck, auch heute noch, als auf diejenigen, welche ihn heute zum ersten Mal anschauen. Aber vielleicht kann ich ihn euch vielleicht doch noch schmackhaft machen?!
Zugegeben! Es ist eine dieser TV-Produktionen aus den frühen 1990ern, die in dunklen VHS-Regalen verstaubten, irgendwo zwischen Sonntagabend-Krimis und vergessenen Videopremieren: „Curiosity Kills“, der im deutschen Fernsehen unter dem reißerischen Titel „Neugier tötet“ auf RTLplus ausgestrahlt wurde. Es ist ein Thriller, den kaum noch jemand kennt. Und genau deshalb lohnt sich ein Blick. Denn dieser Film bietet mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde: ein namhafter Cast, düstere Atmosphäre, ein urbanes Mysterium – und eine Geschichte, die sich langsam, aber mit stetiger Spannung entfaltet. – Deswegen nun kurz zur Story: Cat Thomas (C. Thomas Howell) ist ein leidenschaftlicher Fotograf, also ein Künstler. Ein unauffälliger Typ, der in einem Apartmentkomplex für Künstler lebt. Dort arbeitet er seine Miete größtenteils als Hausmeister ab. Als sein Nachbar und Freund tot aufgefunden wird und der geheimnisvolle Matthew Manus (Jeff Fahey) in dessen Wohnung einzieht, beginnt Cat Fragen zu stellen. Doch seine Neugier wird bald zur Gefahr. Denn je tiefer er gräbt, desto mehr verstrickt er sich in eine Welt aus Mord, Drogen und dunklen Geheimnissen. Die Nachbarin Jane (Rae Dawn Chong) wird zur Vertrauten – doch wem kann man hier überhaupt noch trauen?
Was diesen Film besonders macht, ist eindeutig der Cast. Eine Mischung aus aufstrebenden Stars und erfahrenen Charakterdarstellern: C. Thomas Howell (bekannt aus „The Hitcher“ oder „Soul Man“), der mit „Cat“ den ruhigen, beinahe tragischen Helden mit subtiler Spannung darstellt. Rae Dawn Chong (bekannt aus „Die Farbe Lila“ oder „Phantom Kommando“) hingegen bringt Tiefe und Wärme in ihre Rolle und Jeff Fahey, kurz vor seinem Durchbruch mit „Der Rasenmäher-Mann“, gibt den charmanten Psychopathen mit einem Lächeln, das unter die Haut geht. Und ja – Courteney Cox, noch vor ihrem „Friends“-Durchbruch, ist hier in einer Nebenrolle als Gwen, der Partnerin von Cat. Dazu kommen Veteranen wie Paul Guilfoyle, Lawrence Dobkin und Billy Beck, die dem Film weiteres schauspielerisches Gewicht verleihen.
Die Regie übernahm Colin Bucksey, der sich später mit Serien wie „Fargo“ oder „Better Call Saul“ einen Namen machte. Die Kameraarbeit von Bojan Bazelli („Kalifornia“, „A Cure for Wellness“) fängt die flirrende Hitze und die urbane Einsamkeit L.A.s perfekt ein – fast schon im Stil eines Neo-Noirs. Und der Soundtrack? Vom legendären Jan Hammer („Miami Vice“)! Sein typischer Synthesizer-Sound legt sich wie ein bedrohlicher Teppich unter die Handlung. Was mich natürlich damals wie heute besonders angesprochen hatte war, die Stadt Los Angeles zu sehen. Es ist ein interessanter Stadtteil, denn die meisten Aufnahmen wurden tatsächlich in diesem Künstler-Viertel der Stadt, mit Aussicht auf Downtown, gedreht. Eine tolle Atmosphäre für Liebhaber dieser großartigen und vielfältigen Stadt.
Der Film wurde am 27. Juni 1990 auf dem US-Sender USA Network ausgestrahlt – zur Prime Time. Danach verschwand er recht schnell aus dem Fokus der Öffentlichkeit. In Deutschland lief er wie gesagt im Programm von RTLplus, erfuhr allerdings, wie in den USA eine VHS-Verleihauswertung. Eine DVD oder BluRay-Auswertung steht noch aus. Die Meinungen der Kritiker sind wie so oft gespalten – aber genau das macht den Film spannend. In der IMDb liegt er bei 5.2/10 – also im Bereich der „vergessenen TV-Schätze mit Charme“. Kritiker loben die Stimmung, die Besetzung und die Kamera, bemängeln aber eine stellenweise holprige Story. Ein Zuschauer schrieb treffend: „Slick, stylish, and with a killer performance by Fahey. It’s like a poor man’s Pacific Heights – and that’s not a bad thing.“ Ein anderer meint: „Man weiß, wohin es geht, aber der Weg dahin macht trotzdem Spaß. Und Jan Hammers Musik knallt.“
Fazit: Ein TV-Thriller mit Stil, der entdeckt werden will
„Neugier tötet“ ist kein Meilenstein des Genres. Aber es ist ein solider, atmosphärischer Thriller, der sich mehr Mühe gibt, als viele heutige Streaming-Klone. Er bietet: Spannung ohne übertriebenen Bombast. Schauspieler, die etwas zu sagen haben. Einen Hauch Noir-Flair und diesen ganz besonderen 90s-Videotheken-Vibe, den wir irgendwie alle vermissen. – Wer sollte ihn sehen? Fans von „Body Heat“, „Pacific Heights“ oder „Dead Again“ und natürlich Nostalgiker, die TV-Filme noch auf VHS geliehen haben.


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