Fred Zinnemann – Zivilcourage und Menschlichkeit
Er gilt als einer der besten Regisseure der Filmgeschichte, der am 29. April 1907 in Rszeszow, Österreich-Ungarn geborene Alfred Zinnemann. Sohn des jüdischen Arztes Oskar Zinnemann und dessen Frau Anna, wächst er als Teenager im Wien zur Zeit des ersten Weltkriegs im 3. Wiener Bezirk auf und ging dort mit seinem lebenslangen Freund und filmischen Mitstreiter, Samuel Wilder zur Schule. Samuel sollte sich später in Berlin und Hollywood Billy nennen, so wie Zinnemann die Kurzform seines Vornamen – Fred – annahm. Während der Erste Weltkrieg tobte hatten die einfachen Bevölkerungsschichten in Wien nur wenig zu Essen. Der Hunger war ein ständiger Begleiter auf den Alltäglichen Wegen. „Im Brot waren oft mehr Sägespäne als Mehl“ zu finden, so Zinnemann über diese Zeit. Auch Milch, Eier, Gemüse und sowieso Fleisch waren streng rationiert. Deswegen hatten viele Menschen in diesen Tagen Krankheiten durch diese Mangelernährung. Vor allem Kinder traf dieses Los hart. Nach Beendigung des Krieges erreichte Wien eine Spendenwelle von Lebensmitteln die durch diverse reiche amerikanische Spender und deren teilweise kirchliche Organisationen bewerkstelligt wurden. Deswegen meint Zinnemann hatten er und viele andere Wiener ein Leben lang ein positives Bild von Amerika, sie sahen diese als ihre Retter in Zeiten der extremsten Not. Zinnemann schildert die Nachkriegsjahre in Wien als prägend, jeder junge Mann wollte einen akademischen Doktorgrad erreichen – mindestens, weil man es dann in den Augen der Öffentlichkeit geschafft hatte, die Realität sah aber so aus, das Wien voll war mit jungen männlichen Doktoren die Aufgrund Mangels an Patienten, ihre Vor- und Nachmittage in Wiener Cafés verbrachten und dort Schach spielten. Doktor zu werden war also nicht sein Ziel.
Stattdessen war Zinnemann zunächst sehr an der Musik begeistert, so wollte er wie sein Vater auch ein Musikinstrument erlernen um professioneller Musiker zu werden. Aber nach einigen Versuchen stellte sich schnell heraus, dass er überhaupt kein Talent oder eine Begabung für ein Musikinstrument hatte. Trotzdem war er immer noch für die Kunst und die Musik zu begeistern und wurde von seinen Eltern regelmäßig zu großen Wiener kulturellen Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen und auch Filmvorführungen mitgenommen. Nachdem er im „Musikverein“ die Große Wiener Konzerthalle ein Konzert des Komponisten und Dirigenten Wilhelm Furtwängler gesehen hatte, war er so begeistert davon das er sich ein Autogramm von diesem geben ließ. Er nannte es später eines der größten Erlebnisse seines Lebens. 1925 beendete Zinnemann erfolgreich sein Abitur am Joseph-Gymnasium Stubenbastei und studierte zunächst Rechtswissenschaften. Dadurch das er sich zu dieser Zeit immer öfter mit dem noch recht neuen Medium Film beschäftigt hatte, wollte er unbedingt Kameramann an der Ecole Technique de Photographie et de Cinematographie in Paris lernen, auch gegen den größten Widerstand seiner Eltern.
Schnell wird er gerne als Kameraassistent gebucht, ab 1928 ist er dann auch als Kameraassistent in Berlin tätig. Dort lernt er bei den Dreharbeiten eine noch etwas unbekannte junge deutsche Schauspielerin namens Marlene Dietrich kennen, welche ihm Zugang zu den in Berlin tätigen Filmschaffenden verschafft. Er lernt Star Schauspieler, Produzenten und Regisseure kennen, unter anderem wie Wilhelm Dieterle, Kurt Bernhardt, Phil Jutzi, Curt und Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer, Max Reinhardt. Er selbst zog Billy Wilder mit in den Kreis der Berliner Filmszene, welche auch noch Jahre später in Hollywood – im noch größeren Maßstab – Bestand haben sollte. Seine dritte Kameraassistenz war der Film „Menschen am Sonntag“ unter der Regie von Robert Siodmak und Ulmer, während Billy das Drehbuch schrieb und Zinnemann dem legendären Babelsberg Kameramann und Trickexperten Eugen Schüfftan (der gerade „Metropolis“ gedreht hatte) assistierte. Der halbdokumentarische Milieufilm wurde von der Kritik gefeiert und gilt heute als eines der letzten großen Stummfilm Meisterwerke seiner Zeit. 1929 verlässt Zinnemann Deutschland Richtung Hollywood, ähnlich seinem Kollegen Dieterle, einerseits wegen des großen Angebots dort Filme drehen zu können, andererseits wegen der politischen Spannungen in Deutschland. Dort arbeitet er als Regieassistent und Kurzfilmregisseur und probiert sich als Statist und Kleindarsteller aus, unter anderem in Lewis Milestones Meisterwerk „Im Westen nichts Neues“ (1930). Da ihm die Schauspielerei nicht lag, drehte er einen Dokumentarfilm und inszenierte für die MGM Kurzfilme (ab 1937). Dabei erhielt er für seinen Kurzfilm über den legendären Arzt Semmelweis seinen ersten Oscar. Der Weg in Hollywood war für ihn offen…
Während in Europa der Krieg tobte hatte Zinnemann 1936 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Weil sich dadurch leichter arbeiten ließ aber auch weil er nicht wusste ob er je wieder nach Hause gehen können würde (nach Wien und nach Berlin), nachdem die Faschisten den ganzen Kontinent eingenommen und unterdrückt hatten. Er selbst war ja wie seine Eltern auch jüdischen Glaubens, was seinen Eltern zum Verhängnis werden würde, weil diese während des Holocausts umgebracht wurden. Schon während seiner ersten Spielfilme für Hollywood zeigte seine Stoffauswahl, das ihm die Themen Menschlichkeit und Zivilcourage ein Leben lang beschäftigen sollten. Sind sie doch gerade in Zeiten des Krieges und der größten Not ein Zeichen für Humanität und Mut. Aus dieser politischen und sozialen Haltung heraus inszenierte Zinnemann viele Filme die diese Themen berührten und aufarbeiteten.
Die meiner Meinung nach 5 wichtigsten und bekanntesten Titel stelle ich euch nun in chronologischer Reihenfolge vor:
„Das siebte Kreuz“ – The Seventh Cross (1944)
Auf dem berühmten Anti-Faschistischen Roman der Autorin Anna Segher beruhend, erzählt auch die filmische Interpretation Zinnemanns die Geschichte des im KZ Osthofen (bei Worms) Gefangenen und politischen Aktivisten Georg Heisler, gespielt von Spencer Tracy. Heisler und sechs weiter Gefangene (u. a. ein jüdischer Kaufmann, ein Bauer, ein Schriftsteller, usw.) die im faschistischen Deutschland Aufgrund ihrer Einstellung zum Systems und Antisemitismus in Ungnade gefallen sind, können aus dem Lager und seinen katastrophalen Zuständen fliehen und versuchen dem Rhein entlang nach Mainz zu kommen. Der Lagerkommandant Fahrenberg lässt seine Soldaten die Geflüchteten gnadenlos jagen. Und wenn einer erwischt wurde, wird dieser an einem speziell für ihn aufgestellten Kreuz aufgehängt. Während sukzessive einer nach dem anderen der Gefangenen erwischt und an seinem Kreuz gehängt wird, versucht Heisler in Mainz unterzutauchen und sucht Hilfe bei seinen Freunden, Familie und auch Unbekannten. Nach einigen zwischenmenschlichen Enttäuschungen durch Verrat und Ignoranz, trifft Heisler Menschen die echt gewillt sind ihm zur Flucht ins Ausland zu helfen, ihr Leben für ihn zu riskieren. Der ehemalige Zyniker ist vom Mut und der Menschlichkeit seiner Mitmenschen beeindruckt. Da Zinnemann selbst aus Europa floh und als Kriegsflüchtling in den USA positiv aufgenommen wurde, musste er einen Film drehen der nicht nur die politischen Monster dieser Zeit porträtiert, sondern wie ein hohes Maß an Moralverständnis und Nächstenliebe auch in den härtesten Systemen alltägliche Menschen zu Helfern und Rettern der Unterdrückten und damit zu Gegnern des Systems werden ließ, obwohl sie mit diesem oft vorher opportuniert hatten. Die MGM Produktion gilt als erster wichtiger, weil thematisch zeitloser, Film im Schaffen Zinnemanns. Der Film bekam eine Oscar Nominierung für den besten Nebendarsteller Hume Cronyn.
„Die Gezeichneten“ – The Search (1948)
Zinnemann inszenierte mit „Die Gezeichneten“ wieder einen Spielfilm der sich wie auch bei „Das Siebte Kreuz“ mit den Folgen des dritten Reichs auseinandersetzte. Dabei hatte er die Kinder im Fokus, die während der Wirren und Katastrophen des Krieges ihre Eltern und ihr Zuhause verloren, und Ahnungslos uns Angsterfüllt durch ein zerstörtes Deutschland laufen auf der Suche nach Hilfe oder ihren Verwandten. Im Zentrum des Films steht der verwahrloste Junge Karel, der während seines Aufenthalts im KZ Auschwitz seine Mutter aus den Augen verlor und nun nach Kriegsende ziellos quer durch Deutschland marschiert um Hilfe zu suchen. Karel ist Tscheche und spricht kein Deutsch was ihn oft die Menschen meiden lässt. Stattdessen sucht er mitanderen Jungs zusammen nach Essen und einem Schlafplatz für die Nacht. Eines Tages trifft er in einer Häuserruine den amerikanischen Sgt. Ralph Stevenson (gespielt von Montgomery Clift), der dem halb verhungerten Jungen ein Sandwich anbietet. Stevenson nimmt sich aus Mitleid des Jungens an und versucht dessen Mutter ausfindig zu machen, was ihm aber nicht gelingt. Da beginnt er mit ihm Englisch zu üben um ihn mit nach Amerika nehmen zu können, da er befürchtet das die Eltern des Kindes Tod sind. Währenddessen sucht Karels Mutter den Jungen in ganz Deutschland bei verschiedenen Hilfsorganisationen, findet aber zunächst keine Spur von ihm, bis Karels Mütze gefunden wird, welcher er bei einer missglückten Flussüberquerung zu Beginn des Films trug, die Mütze dabei verlor, während sein Begleiter (ein anderer verwaister Junge) im Fluss dabei ertrank. Seine Mutter hält ihn für Tod und bricht zusammen. Danach beginnt sie selbst in den Flüchtlingsauffanglagern zu helfen. Karel darf zunächst nicht mit nach Amerika, Stevenson verspricht ihn nachzuholen. Setzt ihn aber vorerst in einem der Kinderauffangherbergen ab. Nach einigen Zufällen und dem Geistesblitz einer Mitarbeiterin der Organisation, findet Karel seine Mutter wieder. Mit diesem Film schafft Zinnemann sein zweites filmisches Meisterwerk. Verdientermaßen bekommen die Autoren des Films einen Oscar für die beste Original Geschichte. Zinnemann bekommt für seine Regie eine Oscar Nominierung, genauso wie Clift für die beste Hauptrolle und Richard Schweizer für das beste Drehbuch.
Zinnemann beginnt damit dem Hollywood Studiosystem zu zeigen das spannende und deswegen auch unterhaltende Geschichten, durchaus auch politische und humanistische Botschaften haben dürfen. Anspruch und Entertainment schließen sich nicht aus! Im Gegenteil, ein wirklich guter Regisseur erkennt das Potential eines Stoffes und wird alles (auf allen Ebenen) dafür herausholen was möglich ist. Das Zinnemann den Film für MGM und Lazar Wechsler an Original Schauplätzen im total zerstörten Deutschland drehen durfte, verleiht dem Film einen unglaublichen Realismus. Teilweise fühlt man sich, der Tatsache bewusst das dies alles echte zerstörte Häuser und Städte sind, oft atemlos und ungläubig im Angesicht so vieler realer Eindrücke. Zinnemann der Emigrant wollte zurück nach Europa, Deutschland und Wien. Dabei gelang es ihm einen Film zu drehen der seine tiefsten Ängste und Hoffnungen was er dort finden würde, zum Ausdruck brachte.
„12 Uhr mittags“ – High Noon (1952)
Vielleicht die beste Geschichte die je über Zivilcourage gedreht wurde: Will Kane (gespielt von Cary Cooper) ist Marshall Hadleyville, einer kleinen Wildweststadt wie man sie aus tausend Filmen kennt. Am Tag seiner Hochzeit mit der jungen Quäkerin Amy Fowler (gespielt von Grace Kelley) verspricht er nie wieder eine Waffe zu tragen. Auch hat er für sie seinen Posten als Marshall aufgegeben, am nächsten Tag wird sein Nachfolger erwartet. Während der Trauung erfährt Kane durch ein Telegramm das der berüchtigte Bandit und Killer Frank Miller in einem Zug Richtung Hadleyville sitzt und um 12 Uhr mittags erwartet wird. Kane hat Miller einige Jahre zuvor ins Gefängnis gebracht, worauf dieser Rache schwor, die sich wohl jetzt erfüllen sollte. Am Bahnhof warten einige Gefährten Millers auf dessen Ankunft um ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. Zunächst wollen Amy und Kane die Zeit nutzen um mit einer Kutsche aus der Stadt zu fliehen, aber Kane dreht um als ihm Bewusst wird das er dann ein Leben lang Millers Rache fürchten muss. Also kehren sie in die Stadt zurück und Kane beginnt damit die ganze Stadt abzulaufen nach Helfern die ihn bei der Festnahme der Bande unterstützen würden. Dabei wird er aber hoffnungslos enttäuscht, denn weder der Bürgermeister, noch sein Gremium, noch gute Freunde, Bekannte oder sein Deputy wollen ihm helfen. Alle haben Angst vor Miller und dessen Gewalt und versuchen stattdessen im Sinne Amys Kane zur Flucht zu bewegen. Kane der schon ein moralisches Dilemma mit seiner Frau durchzustehen hat, sieht sich jetzt noch einsam und verlassen einer Übermacht gegenübergestellt. Und die Uhr dreht gnadenlos ihre Zeiger auf 12 Uhr mittags zu. Kane sitzt in der Falle und beginnt sich für den Showdown zu rüsten. Als die Schießerei beginnt und Kane die ersten Banditen erledigt kommt ihm seine Frau Amy – entgegen ihrer religiösen Überzeugungen – zur Schützenhilfe und erschießt einen der Banditen. Danach gelingt es Miller sie als Geisel zu nehmen, worauf Kane ihn in einem letzten Shoutout erschießt. Begeistert kommen alle Bürger der Stadt aus ihren Verstecken und wollen ihren Marshall für den grandiosen Einsatz danken. Dieser wirft verächtlich seinen Marshallstern in den Sand und verlässt mit seiner Frau die Stadt.
Der Film wurde in 90 Minuten Echtzeit gedreht, das heißt es gibt nie Zeitsprünge oder Rückblicke zu sehen. Wir folgen der Geschichte so als würden wir sie parallel erleben. Dies ist eine der Besonderheiten dieses bis heute äußerst populären Westerns. Das American Film Institute wählte ihn 2007 auf Platz 27 der besten amerikanischen Filme aller Zeiten. Und das aus gutem Grund. War der Film nicht auch international einer der erfolgreichsten Filme der 50er Jahre, so erwies er sich recht schnell als zeitloser Klassiker wenn es um das Thema Zivilcourage ging. So wurde der Film oft und gern im gerade expandierenden Fernsehen gespielt, aber auch an Schulen oder in öffentlichen Einrichtungen. Sehr gerne nahm man dabei die spannende Inszenierung als Aufhänger um mit den Rezipienten (z. B. Schülern) die psychologischen und moralischen Fragen zur Zivilcourage zu bearbeiten. Wie fühlt sich jemand der von der Gesellschaft im Stich gelassen wird? Warum werden Menschen manchmal Opfer des Herdentriebs? Auch ist der Film eine bittere Abrechnung mit der McCarthy Ära, da der Drehbuchautor des Films Carl Foreman auf der „Schwarzen Liste“ der Kommunistenjäger landete und seine dramatischen Auseinandersetzungen mit seinen Film Kollegen und Freunden in dieser Geschichte verarbeitete. Auch bei den Academy Awards konnte „12 Uhr mittags“ abräumen: so gab es einen Oscar für den besten Hauptdarsteller Gary Cooper, für den besten Schnitt, den besten Soundtrack und das beste Lied. Zinnemann wurde leider nur für die beste Regie nominiert. Kleine Anekdote von den Dreharbeiten: Während des Drehs der Szenen „Zug kommt am Bahnhof an“, lagen Zinnemann und sein Kameramann Floyd Crosby flach auf den Schienen um einen besonders spektakulären Blickwinkel vom anfahrenden Zug zu bekommen. Dabei wären beide fast gestorben, weil dem Zug die Bremsen versagten und dieser beinahe über sie hinweg gefahren wäre.
„Verdammt in alle Ewigkeit“ – From Here to Eternity (1953)
Im Sommer 1941 wird der Soldat Robert Prewitt (gespielt von Montgomery Clift) nach Hawaii abkommandiert. Dort wird er freudig von seinem neuen Vorgesetzten Captain Dana Holmes erwartet, da dieser weiß das Prewitt der beste Mittelgewichtsboxer der Garnison ist. Holmes möchte eine neue bessere Boxstaffel in der Garnison aufbauen und sieht in Prewitt seine beste Möglichkeit dies Realität werden zu lassen. Schnell bemerkt er jedoch das Prewitt kein Interesse mehr am Boxen hat, da er kurz vorher einen Kameraden versehentlich Blind geschlagen hatte. Daraufhin macht ihm Holmes mit den anderen Soldaten das Leben zur Hölle. Aber Prewitt bleibt seinen Prinzipien treu. In dem Soldaten Angelo Maggio (gespielt von Frank Sinatra) findet er einen treuen Freund. Sgt. Milton Warden (gespielt von Burt Lancaster) ist der Spieß der Kompanie und muss alle Aufgaben erledigen die der faule Holmes nicht tun möchte. Prewitt kann er leiden auch wenn er dessen Einstellung zum Boxen auch nicht teilt. Holmes Frau Karen (gespielt von Deborah Kerr) kommt ab und zu in die Kaserne um ihren Mann zu sehen, der aber fast nie dort anzutreffen ist. Dabei verlieben sich Warden und Karen ineinander und treffen sich des Öfteren nachts am Strand um Baden zu gehen (das Plakatmotiv des Films). Sie und ihr Mann lebten sich auseinander, nachdem Karen ein Kind verloren hat. In einem Lokal bekommt Maggio wiederholten Streit mit dem Soldaten Fatso (gespielt von Ernest Borgnine), worauf nur das erscheinen Wardens schlimmeres verhinderte. Währenddessen wird Prewitt regelmäßig von einem anderen Soldaten gemobbt und kommt beinahe wegen seines Verhaltens vor das Militärgericht. Leider lässt sich Prewitt auch danach von dem Soldaten zu einem unerlaubten Boxkampf provozieren der aber von Holmes unterbrochen wird. Maggio verlässt unerlaubt und betrunken seinen Wachdienst und wird deswegen ins Gefängnis gesperrt. Dort trifft er wieder auf Fatso, der hier zum Wachpersonal gehört. Fatso rächt sich mit allen möglichen Mitteln an Maggio. Da ergreift Maggio die Flucht und wird dabei schwer verletzt. In den Armen seines Freundes Prewitt stirbt er. Woraufhin Prewitt auf Fatso losgeht, der wiederum durch einen Messerstich Prewitts stirbt. Prewitt ist schwer verletzt und wird von seiner neuen Freundin Lorene gepflegt, währenddessen wird Holmes wegen seines Verhaltens im Fall Prewitt degradiert. Warden will Karen heiraten die möchte aber das er zuerst die Offizierslaufbahn einschlägt, was Warden überhaupt nicht gefällt, da er Offiziere in der Regel hasst. Dann ist plötzlich der 7. Dezember 1941 und Pearl Harbor wird von den Japanern angegriffen. Als Prewitt seiner Einheit folgen will, wird er ausversehen in den Kampfwirren erschossen. Karen und Lorene verlassen daraufhin auf einem Schiff Hawaii.
Den Film inszenierte Zinnemann nach einem Bestseller von James Jones und gilt bis heute noch als einer der absoluten Klassiker des 50er Jahre Kinos. Manche Kritiker nannten ihn einen der besten Männerfilme Hollywoods, was absolut zutreffend ist und in der Folge (15 Jahre später) erst von den filmischen Männerstudien Sam Peckinpahs übertroffen wurde. Beide werfen in ihren Werken tiefe Blicke in die männliche Seele und übertragen diese durch moralische Konfliktsituationen in die Dramaturgie ihrer Filme. Das Dilemma dieser manchmal anachronistischen Prota- und Antagonisten ist das sie ihre Werte und Standpunkte nicht verschieben können und wollen. In manchen Situationen ist ihr Stoizismus angebracht, in anderen endet er fatal in einer Katastrophe. Fred Zinnemann setzte sein Thema Zivilcourage hier in den Zusammenhang mit der manchmal notwendigen Selbstbehauptung. Die Frage dabei ist: Ist es/er/sie dafür Wert zu kämpfen? Oder wäre eine Verhaltensanpassung der bessere weil evolutionäre – aber unmännliche – Schritt? Zinnemann gab in diesem Drama nur bedingt eine Antwort. Nachdem alle männlichen Figuren entweder gestorben sind oder (auch moralisch) degradiert wurden, bleibt den Frauen nur die Flucht. Ist das Thema noch Zeitgemäß möchte man da fragen? Ich sage ja, da toxische Männlichkeit für den Gemeinschaftssinn und den sozialen wie politischen Frieden eine echte Herausforderung darstellt. Der Film ist einer von nur 10 Hollywoodfilmen die in der Oscargeschichte mit je 13 Nominierungen aufwarten konnte (darunter „Titanic“, „Der Herr der Ringe“ und „Ben Hur“). Der Film gewann in den Kategorien bester Film, bester Nebendarsteller (Frank Sinatra), beste Nebendarstellerin (Donna Reed), beste Kamera, bester Schnitt, bestes Drehbuch, bester Ton und Fred Zinnemann erhielt seinen ersten Oscar für die beste Regie. Die Jahre davor hatte er bereits 2 Oscars für Kurzfilme bekommen und war ansonsten nur nominiert. Eine Legende vom Casting die wohl wahr sein dürfte: Frank Sinatra wollte so sehr die Rolle des Maggio das als er von Zinnemann nicht in Betracht gezogen wurde, Mafiafreunde von sich einschaltete, welche Zinnemann ähnlich wie im Film „Der Pate“ gezeigt, ein Geschäft vorschlugen das er nicht ablehnen konnte. Die berühmte Pferdekopfszene basiert auf diesem Vorfall.
„Ein Mann zu jeder Jahreszeit“ – A Man for all Seasons (1966)
Thomas Morus (Katholik) (gespielt von Paul Scofield) gilt als einer der gerechtesten und weisesten Richter im England des 16. Jahrhunderts. Er wird von seinen Zeitgenossen und Freunden für seine beispiellose Integrität geschätzt und verehrt. Zugleich ist er auch engster Vertrauter und Berater, sowie Parlamentsmitglied Königs Heinrich dem VIII (gespielt von Robert Shaw). Heinrich hat es sich in den Kopf gesetzt seine Ehe mit Katharina von Aragon für nichtig erklären zu lassen, um seine Geliebte Anna Boleyn heiraten zu können. Für so eine Ungeheuerlichkeit nach den moralischen Vorstellungen dieser Zeit benötigt er die Zustimmung des Papstes. Ein anderer Vertrauter Heinrichs Lordkanzler und gleichzeitig Kardinal Wolsey (gespielt von Orson Welles), bittet Thomas Morus mit ihm zusammen Druck auf den Papst auszuüben, so dass dieser dem Drängen des Königs nachgebe. Morus ist aber nicht bereit um des Königs Willen seine Ideale über Bord zu werfen, und schon gar nicht wird er sich gegen den Willen des Papstes stellen. Als Wolsey stirbt wird Morus zum Lordkanzler berufen, was dieser mit Freude annimmt. Währenddessen sagt sich schockierender Weise der König von der römisch-katholischen Kirche los und macht sich selbst zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche in England. So denkt er kann er seine Heiratspläne ohne Zustimmung des Papstes durchsetzen. Daraufhin legt Morus sein Lordkanzleramt nieder, welches dann dem intriganten Staatssekretär Cromwell zufällt. Cromwell ist ein brutaler Gegner der katholischen Kirche und möchte ihren Einfluss in England so stark wie möglich beschränken. Thomas Morus befindet sich in einem immanenten Gewissenskonflikt zwischen den staatlichen Gesetzen (den Befehlen des Königs) und den Gesetzten seines Glaubens (der Wille des Papstes). Diese Spannung kann er nur dadurch lösen indem er zu dem Thema schweigt, also keine Stellung bezieht. Heinrich der VIII möchte aber das Morus einen Treueeid auf ihn schwört, den Morus verweigert. Cromwell sieht das Verhalten Morus als Verrat am König an, kann es aber natürlich nicht beweisen. Freunde und Familie drängen Thomas dazu den Eid abzulegen, was Morus aber mehr als Prüfung seiner Integrität sieht, als einen ernstzunehmenden Lösungsversuch. Dann spielt das Schicksal Lordkanzler Cromwell einen Vertrauten aus dem Kreise Thomas Morus in die Hände. Richard Rich (gespielt von John Hurt) macht eine Falschaussage unter Eid gegen seinen Freund Thomas. Dieser wird daraufhin festgenommen und soll hingerichtet werden. Noch einmal versuchen seine Freunde und seine Familie ihm zum Treueschwur zu bewegen. Aber Thomas Morus ist fest entschlossen seine Ideale und Werte nicht zu verraten und wird so 1535 im Tower geköpft.
Die historischen Ereignisse um Thomas Morus und seiner tragischen Beziehung zu Heinrich dem VIII, haben Drehbuchautor Robert Bolt zunächst zu dem Theaterstück „Thomas Morus – A Man for all Seasons“ inspiriert, welches er auch erfolgreich auf die Bühne brachte. Für den Film verfasste er auch das Drehbuch. Wieder geht es um Courage und moralisches Handeln in Zeiten der Unmoral. Wieder ist Zinnemanns Thema ein Menschenschicksal das an der Verlogenheit der Politik und Gesellschaft scheitert. Sich selbst aber die Treue hält, weil es für den Protagonisten die höchste Form einer Beweisführung seines Glaubens darstellt, sich, den Papst und die von ihm postulierten göttlichen Gesetzte zu verraten. Ein Mann zu jeder Jahreszeit ist also ein Mann mit dem man immer rechnen muss, so könnte man es in die Moderne Übersetzen. Bei diesem Film möchte Zinnemann eine sehr intensive und realistische Darstellung der historischen Geschichte erreichen. Dafür dreht er an vielen Originalschauplätzen in England (Außenaufnahmen auf und um diverse Schlösser und Häuser, unter anderem in Hampton Court) und die Innenaufnahmen als Studiosets in den Shepperton Studios. Die tollen Kostüme der Tudor Zeit unterstützen das phantastische Spiel der Schauspieler. Die Farben des Technicolor wirken prunkvoll und anachronistisch. Man fühlt sich in die Zeit zurück versetzt. Der Film wird bei Kritikern und Zuschauern ein riesiger Erfolg und ist bis heute ein zeitloser Klassiker des britischen Kinos. Das Britische Film Institut wählte ihn auf den 43. besten britischen Film aller Zeiten. Bei den Academy Awards konnte Zinnemann hier seinen vierten und fünften Oscar einsacken, für die beste Produktion und die beste Regie. Außerdem gewann Paul Scofield als bester Hauptdarsteller, beste Kamera, bestes Kostümdesign und Robert Bolt für das beste Adaptierte Drehbuch den Oscar. Nominiert waren noch die Schauspieler Robert Shaw und Wendy Hiller.
Fred Zinnemann
Fred Zinnemann inszenierte 19 Kurzfilme und 25 Spielfilme in 50 Jahren. Dabei wurde er 11 Mal für den Oscar nominiert, von welchem er 5 gewann. Er war wie einige Regisseure seiner Zeit Wegbereiter für viele Schauspielerinnen und Schauspieler Karrieren die heute Aufgrund ihrer Werke Kultstatus feiern. Er inspirierte Filmschaffende, vor allem Autoren und Regisseure dazu mehr Wert auf gute Storys zu legen. Fred Zinnemann starb an einem Herzinfarkt am 14. März 1997 im Alter von 89 Jahren in London. Er prägte wie nur wenige Regisseure mit seinen Filmen 5 Jahrzehnte Filmgeschichte mit, von den 30ern bis in die 70er Jahre!


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