Wenn es um okkulte Horrorfilme der 70er Jahre geht, fallen oft die immer gleichen, ikonischen Titel: DER EXORZIST (1973) und DAS OMEN (1976). Ohne Frage sind dies absolute Klassiker ihres (Sub-)Genres. Doch ein Werk, das in der Ära dieser filmischen Hochphase zu Unrecht oft übersehen wird, ist HEXENSABBAT, im Original THE SENTINEL aus dem Jahr 1977. Dieser atmosphärisch dichte Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jeffrey Konvitz, der gemeinsam mit Regisseur Michael Winner auch das Drehbuch verfasste.
Die Produktionsfirma Jeffrey Konvitz Productions stellte mit einem Budget von etwa 3,7 Millionen US-Dollar die Weichen für HEXENSABBAT. Für die damalige Zeit entsprach dies einem soliden Standard, insbesondere angesichts der Tatsache, dass mit Michael Winner ein Regisseur von beträchtlichem Erfolg und Renommee die Inszenierung übernahm. Winner, bekannt für sein Geschick, charismatische und talentierte Darsteller für seine Projekte zu gewinnen, machte auch hier keine Ausnahme: Die Besetzung des Films vereint eine bemerkenswerte Mischung aus etablierten Größen und aufstrebenden Talenten: John Carradine, Arthur Kennedy, Jeff Goldblum, Jerry Orbach, Christopher Walken, Ava Gardner, Cristina Raines, Chris Sarandon, Burgess Meredith, Sylvia Miles und Beverly D’Angelo brachten ihre einzigartigen Fähigkeiten in das Werk ein. Doch nicht für alle war der Dreh eine positive Erfahrung. Hauptdarstellerin Cristina Raines berichtete später in einem Interview, dass sie mit Michael Winners Arbeitsweise nur schwer zurechtkam. Der Regisseur habe eine solche Belastung für sie dargestellt, dass sie oft weinend zu den Dreharbeiten erschien. Ihre Erfahrungen am Set waren so prägend, dass sie laut eigener Aussage den Film bis heute nicht angeschaut hat.
Doch worum geht es in HEXENSABBAT: Alison Parker ist ein Supermodel das in New York eine eigene Wohnung sucht. Sie ist durch ihre traumatische Vergangenheit gezeichnet und unterhält zu ihren Eltern, insbesondere ihrem Vater, eine schwierige Beziehung. Mit Michael Lerman ist sie in einer Liebesbeziehung. Dieser drängt sie zur Heirat, aber Alison sehnt sich nach Unabhängigkeit und lehnt die Angebote ab. Ihre Wohnungssuche führt sie schließlich zu Miss Logan, die ihr ein prachtvolles Apartment in einem fünfstöckigen Gebäude in Brooklyn Heights zeigt, direkt am East River mit einem atemberaubenden Blick auf Manhattan. Begeistert zieht Alison ein, doch schon bald beschleicht sie das Gefühl, dass hinter der charmanten Fassade des Hauses etwas Unheimliches lauert.Zu Beginn begegnet sie Charles Chazen, einem exzentrischen Nachbarn. Doch je mehr sie die anderen Bewohner des Hauses kennenlernt, desto beklemmender wird die Atmosphäre. Nächtliche Alpträume und merkwürdige Geräusche rauben ihr den Schlaf und verstärken das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Eine besonders mysteriöse Figur ist Pater Francis Matthew Halliran, der im obersten Stockwerk lebt. Blind und scheinbar bewegungslos sitzt er dort auf einem Stuhl und blickt auf die Stadt hinaus. Es dauert nicht lange, bis Alison dem dunklen Geheimnis des Hauses auf die Spur kommt, welches weit über ihre Vorstellungskraft hinausgeht.
HEXENSABBAT ist ein Paradebeispiel für einen Film der 70er Jahre, vor allem im Bereich des Horrorfilms – er entfaltet eine dichte Atmosphäre und erfüllt eine der wichtigsten Aufgaben des Genres: Er erzeugt ein nachhaltiges Gefühl von Unbehagen und Beklemmung. Trotz der dialogreichen Handlung wirken die Gespräche nie überflüssig, sondern sind eloquent und tragen wesentlich zur Geschichte bei. Die vielschichtigen Interaktionen zwischen den Charakteren ziehen die Zuschauer zusätzlich in ihren Bann. Untermalt wird das Geschehen von einem hypnotischen Soundtrack des Komponisten Gil Mellé, der die düstere Stimmung perfekt einfängt. Gedreht wurde in New York, wobei das Gebäude, das als Alisons Wohnhaus diente, während der Produktion vollständig bewohnt war. Die Mieter wurden großzügig für rund 20 Stunden Drehzeit pro Woche entschädigt. Um den Drehplan effizienter zu gestalten, wurden einige der nächtlichen Szenen im Inneren des Hauses tatsächlich tagsüber gefilmt. Cristina Raines berichtete später von merkwürdigen Ereignissen am Set. Eine Entdeckung sorgte dabei für besonders großes Aufsehen: Die Wohnung, die ihr als Ankleidezimmer zugewiesen wurde, gehörte im echten Leben einem Priester. Für die beeindruckenden Make-up-Effekte war der legendäre Dick Smith verantwortlich. Doch eine der kontroversesten Entscheidungen des Films war der Einsatz realer Menschen mit Missbildungen und Zirkusdarstellern für die Szenen, in denen deformierte Dämonen aus den Toren der Hölle hervorbrechen, um Alison zu terrorisieren. Diese Wahl führte zu Spannungen am Set, da sich viele Mitglieder von Cast und Crew weigerten, ihre Pausen im selben Catering-Zelt wie die Darsteller der Dämonen zu verbringen. Diese unkonventionellen Produktionsentscheidungen trugen zweifellos dazu bei, den Film noch verstörender und unvergesslicher zu machen.
HEXENSABBAT ist fast 50 Jahre alt, gut gealtert und definitiv Wert (wieder) entdeckt zu werden.


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