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Abgerechnet wird zum Schluss (USA 1970)

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Zur aktuellen Veröffentlichung der Deutschland Premiere auf Blu-ray des legendären Westerns „Abgerechnet wird zum Schluss“ (The Ballad of Cable Hogue)

Der Western ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS von Warner Brothers unter Regie von Sam Peckinpah, war nicht nur einer der unerwarteten Hits des Jahres 1970, sondern auch ein so menschlich intensives und emphatisches Filmwerk über die Aussenseiter und Verlierer der amerikanischen Post-Frontier Gesellschaft, das bis Dato niemand Peckinpah zugetraut hatte. Der Grund dafür liegt darin das Peckinpahs vorherige Western wie The Wild Bunch oder Sierra Charriba gnadenlos den Mythos der zivilisierten Kolonialisierung Amerikas (wie oft in vielen kitschigen Frühwestern und Fernsehfilmen dargestellt), den gar ausmachte. Peckinpah liebte den amerikanischen Westen und betrieb Zeit seines Lebens eine eigene Ranch und Farm, aber er wusste auch um den Blutzoll den diese gesamtgesellschaftliche und kulturelle Inbesitznahme gekostet hatte. Gerade die Verharmlosung dieser Gewalt in der amerikanischen Geschichte war ihm ein Gräuel, also inszenierte er The Wild Bunch so realistisch Gewalttätig und skrupellos das viele Romantiker des Wilden Westens, so wie zum Beispiel John Wayne, darüber zutiefst erzürnt waren. Peckinpah wollte die Gewalt und deren Sinnlosigkeit sichtbar und fühlbar machen, um den lapidaren Umgang in der amerikanischen Kultur damit zu entlarven. Cable Hogue, spiegelt diese Philosophie wieder, allerdings in der ungeschönten Darstellung zutiefst menschlicher Figuren und ihrer schweren Lebenswege. Nur selten zuvor wurden im US Kino Menschen als Helden gefeiert, die nicht die Sieger der Gesellschaft waren, sondern eher im allgemeinen Tenor zum Abschaum derer gehörten. Was sich zunächst ruppig anhört ist bei genauerer Betrachtung der vielleicht versöhnlichste und liebevollste Spätwestern des 70er Jahre Kinos.

Für die Hauptrolle wurde ursprünglich Warren Oates in Betracht gezogen. Auch hatte man mit Henry Fonda verhandelt, es ließ sich aber keine Einigung über die Bedingungen erzielen. James Stewart hingegen lehnte die Rolle vollends ab, weil er einen Imageschaden befürchtete. Genauso sah es auch der große Charlton Heston, der meinte es sei kein gutes Drehbuch.

Stella Stevens sagte in einem Interview von 2004 „…dass sie Jason Robards verehrte, aber David Warner hingegen war sehr seltsam.“ Dieser war gerade aus England angekommen und es war sein erster großer Film in den Vereinigten Staaten.

Die Produktion des Films lag wegen schlechten Wetters Wochen hinter dem Zeitplan zurück. Immer wenn die Dreharbeiten unterbrochen wurden, trank Regisseur Sam Peckinpah literweise Whisky und Bier zusammen mit der Besetzung und der Crew. Als die Dreharbeiten abgeschlossen waren, belief sich die Barrechnung auf über 70.000 US-Dollar. Worauf sich die Überziehung des Produktionsbudget (aus diesem und anderer Gründe) um 3 Millionen Dollar erhöhte. Was zur damaligen Zeit, in welcher kleine Filmproduktionen über Budgets zwischen 80.000 und 1.000.000 US Dollar verfügten, eine unverschämt hohe Summe war.

Die chaotischen Dreharbeiten beendeten Sam Peckinpahs Amtszeit bei Warner Brothers und verursachten einen dauerhaften Schaden in seiner Karriere. Zu der Zeit entwickelte man bei Warner recht gesellschaftskritische Filmstoffe, so wie unter anderem die späteren Kassenschlager BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE (1972) und JEREMIAH JOHNSON (1972). Peckinpah wäre hierfür als erfolgreicher Regisseur schwieriger Stoffe erste Wahl gewesen, war durch die Eskapaden bei den vorigen Produktionen aber leider betriebswirtschaftlich untragbar geworden. Danach war es für ihn Allgemein schwieriger seine Filme finanziert zu bekommen. Er war gezwungen, eine 180-Grad-Drehung zu machen und seine nächste Produktion in England aufzubauen. Dort drehte er einen seiner dunkelsten und psychisch verstörendsten Filme überhaupt: WER GEWALT SÄT (1971). Ein weiteres Meisterwerk bei Peckinpahs künstlerischer Forschungsreise über die Ursprünge der Gewalt und dem Umgang der Menschen damit. Der Film wurde ein großer kommerzieller Erfolg und Peckinpah war wieder ein Star. Wie so oft in seiner Karriere.

Stella Stevens sagte in einem Interview, dass Sam Peckinpah ein großartiger Regisseur sei, aber er sei schwer zu ertragen. Er hatte ein Alkoholproblem und neigte zu Wutausbrüchen. Er war über die Jahre im Filmgeschäft immer mehr verbitterter geworden, weil er oft seine Filme nicht so umsetzen durfte wie er es gerne getan hätte. Er wusste instinktiv das er noch bessere Filme hätte drehen können wenn man ihn gelassen hätte. Sein Talent war ihm voll bewusst und er glaubte das dies die Studioleitungen aber nicht anerkennen wollten, da sie immer wieder die gleiche Art Filme von ihm forderten. Je mehr ihm klar wurde das er seine Visionen und Geschichten nicht umsetzen konnte, desto mehr trank er. Peckinpah war ein Stoiker und anachronistisch wie seine filmischen Figuren. Aber ohne diese Charakterzüge wären sein Filme nie so poetisch ehrlich geworden, wie sie es zum Glück sind. Dies zu erkennen hat bei teilen der Kritik und des Publikums Jahrzehnte gedauert, lange bis nach seinem Tod.

Der Reverend Sloane aus dem Film CONVOY (1978) bezieht sich auf den Charakter von Joshua Duncan Sloane von ABGERECHNET WIRD ZUM SCHLUSS.

Der Film startete am 18.03.1970 in den USA. In den deutschen Kinos lief der Film am 04.09.1970 an.


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