Wenn wir über Blaxploitation sprechen – über jene wilden, lauten, kompromisslosen Filme der 70er, in denen Schwarze Helden sich ihren Platz in einer Welt erkämpfen, die sie systematisch unterdrückt – dann kommt man an einem Namen nicht vorbei: BLACK CAESAR. Oder wie der Film hierzulande heißt: DER PATE VON HARLEM.
Fred Williamson, Ex-Footballstar mit Schlagkraft und Sonnenbrille, spielt Tommy Gibbs, einen Jungen aus Harlem, der sich vom Straßengangster zum Boss des organisierten Verbrechens hocharbeitet. Inspiriert von LITTLE CAESAR (1931), liefert Regisseur und Drehbuchautor Larry Cohen kein simples Remake, sondern einen urbanen, politischen, stylish-dreckigen Aufstieg-und-Fall-Thriller mit ordentlich Blei in der Luft und Funk im Blut. Tommy Gibbs ist kein strahlender Held. Er ist hart, eiskalt, rachsüchtig – aber auch das Produkt seiner Umwelt. DER PATE VON HARLEM zeigt einen Harlem, das von Korruption, Gewalt und Ungleichheit geprägt ist. Und mitten drin: Ein Mann, der das System zu seinem eigenen machen will.
Gedreht wurde im echten Harlem – was nicht ohne Risiko war. Lokale Gangster waren nicht begeistert, als Cohen und sein Team mit Kameras durch ihr Revier zogen. Doch statt Schutzgeld zu zahlen, warb Cohen sie als Kleindarsteller an. Authentizität? Check. Mut? Doppelt Check. Und apropos Realismus: In einer Szene sollte ein echter Barbier einem Schauspieler beim Rasieren versehentlich einen kleinen Schnitt verpassen. Trotz zig Wiederholungen – kein Blut. Method Acting in seiner sanftesten Form.
Wenn James Brown den Soundtrack übernimmt, ist Gänsehaut Pflicht. Tracks wie „Down and Out in New York City“ geben dem Film nicht nur Tiefe, sondern machen ihn auch zu einem musikalischen Zeitzeugnis. Brown fängt die Stimmung von Harlem in den 70ern perfekt ein: roh, schmutzig, voller Hoffnung – und zugleich voller Zorn. Schauspielerisch glänzen neben Williamson, Gloria Hendry und Julius Harris, die beide im selben Jahr auch im Bond-Film LEBEN UND STERBEN LASSEN auftauchten. Und wer ein Auge für Stunts hat, erkennt unter den Credits Legenden wie Nick Dimitri oder Bob Minor – Männer, die wussten, wie man durch eine Glasscheibe fliegt und dabei noch cool aussieht. Gibbs’ Markenzeichen ist übrigens eine 9-mm-Mauser C96 „Red 9“ – ikonisch, martialisch und perfekt für einen, der lieber handelt als redet.
Mein Fazit zu BLACK CAESAR: Er ist nicht einfach nur ein Gangsterfilm. Er ist eine Kampfansage. An Hollywood-Klischees, an soziale Ungleichheit, an das weiße Monopol auf die große Leinwand. Fred Williamson ist kein Corleone – er ist härter, direkter, realer. Und genau das macht ihn so unvergesslich. Wer Blaxploitation liebt, kommt an diesem Klassiker nicht vorbei. Wer ihn noch nie gesehen hat: Jetzt ist der perfekte Moment, die 70er mit einem satten Soundtrack, bissigen Dialogen und einem verdammt coolen Antihelden neu zu entdecken.
Godfather of Harlem? Oh yes. Long live the King.


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