Rollercoaster; Laufzeit ca. 115 Min.; FSK 12
Im Vergnügungspark Ocean View kommt es zu einer fürchterlichen Katastrophe als ein Zug der Achterbahn entgleist und in die Menschenmenge rast, wobei viele Parkbesucher ums Leben kommen. Der mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragte Inspektor der Bauaufsicht Harry Calder findet bald heraus, dass es sich bei dem Unglück um einen gezielten Anschlag handelte. Ein Erpresser fordert von den Betreibern verschiedener Freizeitparks eine Millionen Dollar, sonst wird es zu weiteren Anschlägen kommen. Zusammen mit dem hinzugezogenen FBI Agent Hoyt versucht Calder dem Erpresser bei der Geldübergabe eine Falle zu stellen, was jedoch misslingt. Nun versucht dieser aus Rache bei einem finalen Anschlag hunderte Menschen zu töten…
Im Zuge der großen Katastrophenfilmwelle der siebziger Jahre brachte der erfahrene Produzent Jennings Lang, der auch hinter Produktionen wie der „Airport“ Reihe und natürlich „Erdbeben“ stand, mit „Achterbahn“ einen Film in die Kinos, der zwar in erster Linie dem Thriller-Genre angehörte, aber in punkto Machart und Tonalität schon sehr stark an einen für die Ära typischen Katastrophenfilm erinnerte – und als solcher auch in Deutschland vermarktet wurde.
Lang scheute einmal mehr keine Kosten und Mühen und versammelte sowohl vor als auch hinter den Kulissen eine Reihe großer Namen: Mit George Segal und Richard Widmark wurde der Cast gleich von zwei Schauspielgrößen der damaligen Zeit angeführt. Die Chemie zwischen den Beiden, die aufgrund ihrer höchst unterschiedlichen Charaktere und Herangehensweisen immer wieder aneinandergeraten ist großartig und trägt den Film auch über weite Teile. Der namenlose Erpresser wird von Timothy Bottoms verkörpert, dessen Gesicht dem Zuschauer bereits aus dem Antikriegsklassiker „Johnny zieht in den Krieg“ bekannt war. Obwohl man nicht wirklich etwas über seine Motivation oder gar seinen Charakter erfährt wirkt er in jeder Sekunde bedrohlich, auf eine kalte Art hochintelligent und jederzeit zu allem entschlossen. Harry Calders Freundin wird von Susan Strasberg gespielt, der Tochter des berühmten New Yorker Schauspiellehrers Lee Strasberg. Als deren Tochter wiederum gibt die spätere Oscar Preisträgerin Helen Hunt hier ihr Debüt. Zu guter Letzt gibt es auch noch einen Kurzauftritt des legendären Charakterdarstellers Henry Fonda als Harry Calders Boss zu sehen. Das Drehbuch wurde von den „Columbo“ Schöpfern Richard Levinson und William Link beigesteuert, die dem Skript einige geschliffene Dialogperlen und einen oft sarkastischen Humor beigaben. Die eingängige Musik komponierte der Argentinier Lalo Schiffrin, dessen bekanntestes Stück zweifellos die Titelmelodie der Agentenserie „Mission: Impossible“ ist. Die Regie übernahm der TV-Routinier James Goldstone, welcher zuvor bereits den zweiten Pilotfilm für die original „Star Trek“ Serie „Spitze des Eisbergs“ inszenierte.
Das Katz-und-Maus Spiel zwischen dem Attentäter und seinen Jägern entwickelt sich – typisch für einen Film jener Zeit – nur langsam. Produzent Lang wollte sich an die Machart der klassischen Thriller eines Alfred Hitchcock orientieren, in denen sich die Spannung unter anderen dadurch ergibt, dass der Zuschauer oft mehr weiß als die handelnden Personen im Film. Nur muss man aber ehrlicherweise sagen, dass James Goldstone eben kein zweiter Hitchcock war. Seine Inszenierung erinnerte streckenweise doch eher an einen aufwändigen Fernsehfilm und weniger an wirklich großes Kino. Innovative Regieeinfälle oder besondere erzählerische Finesse sucht man hier eher vergebens. Der technische Aufwand mit dem die Produktion realisierte wurde war zwar recht hoch, wird aber im fertigen Werk nicht so recht sichtbar, anders als zum Beispiel in „Erdbeben“, der sogar ein etwas geringeres Budget hatte, aber insgesamt doch teurer aussieht.
Aber auch das alle Beteiligten sich alle Mühe gaben konnte nicht verhindern, dass „Achterbahn“ kein besonderer Erfolg an den Kassen vergönnt war. Dies schmälert jedoch nicht den Unterhaltungswert des Streifens. Seinem Thema entsprechend gewinnt er mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Rasanz, so dass man als Zuschauer bei der Stange bleibt. Und auch die Figuren vermögen das Interesse zu wecken. Harry Calder hält nicht viel von Autoritäten und macht dies sowohl seinem Chef und vor allem auch Agent Hoyt durch sein respektloses Verhalten und seine oft fast schon etwas zynischen Sprüche deutlich. Trotz seiner bärbeißigen Art erscheint er von Anfang bis zum Ende sympathisch, zumal er durch seine erfolglosen Versuche das Rauchen aufzugeben sehr menschlich rüber kommt. Hoyt hingegen ist offensichtlich ein alter Hase in der Kriminalitätsbekämpfung und lässt zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran, dass er den Erpresser schnappen wird. Doch durch seine Raffinesse bringt er sogar ihn immer mehr ins Schwitzen. Aber vor allem Calders despektierliche Art treibt ihn das ein oder andere Mal fast zur Weißglut. Doch letztlich sind die Beiden ein gutes Team, wenn auch wider Willen. Der Erpresser bleibt hingegen mehr oder weniger blass, da man, wie erwähnt, so gut wie nichts über ihn erfährt, außer das er über eine beträchtliche kriminelle Energie und eine hohe Intelligenz verfügt, die es ihm ermöglicht seine Pläne konsequent durchzuziehen. Warum er es ausgerechnet auf die Freizeitparkbranche abgesehen hat wird auch nie wirklich klar. In einem früheren Drehbuchentwurf wird zwar enthüllt, dass seine Eltern Besitzer eines kleinen Vergnügungsparks waren, der von der großen, übermächtigen Konkurrenz kaputt gewirtschaftet wurde und er sich nun an diesen rächen will. Doch in der finalen Fassung des Films bleiben seine Motive mysteriös, was ihn aber durchaus sogar erst recht gefährlich erscheinen lässt.
Man könnte „Achterbahn“ in gewisser Weise auch als eine Art Parodie auf die amerikanische Spaßgesellschaft sehen. Gerade in den USA gibt es bekanntlich die größten und spektakulärsten Freizeitparks der Welt zu bestaunen und es ist sicherlich auch kein Zufall das die Achterbahn eine amerikanische Erfindung ist.
Der Film dekonstruiert die Unschuld dieser Branche, indem er die Menschen, die diese Parks besuchen mit der Gefahr konfrontiert jederzeit von einem irren Bombenleger getötet zu werden, freilich ohne dass diese sich dessen bewusst sind. Wie der Attentäter es selbst sagt ist diese Branche verwundbarer als die Meisten anderen. Und es stimmt: Die kunterbunte Welt der Vergnügungsparks ist verwundbar, gerade weil es sich um eine Welt handelt, die vom gewöhnlichen Alltag abgeschnitten ist. Nur sind sich die Besucher dieser Verwundbarkeit eben nie bewusst. Sie haben ihren Spaß, ohne zu wissen, dass sie die ganze Zeit in latenter Lebensgefahr schweben. Hier stoßen die Märchenwelt der Parks und die harte Realität zusammen. Regisseur Goldstone zeigt diesen Kontrast vor allem in der Sequenz mit der Geldübergabe. Während Calder mit einem übergroßen Reisekoffer, in dem sich das geforderte Geld befindet, vom Erpresser über Funk durch den Park dirigiert wird, spielt sich um ihn herum der alltägliche Wahnsinn der Spaßindustrie ab. Calder reagiert hingegen mehr und mehr gereizt darauf dazu gezwungen zu werden jedes Fahrgeschäft einzeln auszuprobieren, teilweise sogar mehrmals, und dabei den Koffer stets mitzuschleppen. Diese subtil komische Szenerie hinterlässt beim Zuschauer einen zwiespältigen Eindruck, macht sie doch deutlich, dass der Mikrokosmos eines Freizeitparks eben doch nichts anders ist als eine Art Industriekomplex, in dem der Besucher vor allem deshalb bespaßt wird, um ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen, ganz ähnlich wie der Attentäter seinerseits an das Geld der Betreiber heranzukommen versucht. Aber ein Freizeitpark ist eben auch ein Ort, in dem die Besucher diesen Spaß nur konsumieren, ohne selbst aktiv etwas unternehmen zu müssen. Sie werden von Attraktion zu Attraktion geschleust, genau wie Calder von dem für ihn unsichtbaren Erpresser.
Der Film kritisiert hier also auf subtile Art die durch kommerzialisierte Entertainmentbranche als eine Industrie, die die Freizeitparkbesucher auf bloße Konsumenten reduziert, die ja nicht selbstständig versuchen wollen durch echte, eigene Aktivität dem grauen Alltag zu entkommen. Dies kumuliert in Finale des Films, in dem die Einweihung einer neuen Achterbahn als absolutes Massenspektakel zelebriert wird, inklusive Livemusik und dem Besuch der politischen Würdenträger der Stadt. Am Ende, nachdem der Attentäter buchstäblich vom Ziel seiner Sabotage über den Haufen gefahren wurde, ist alles wieder im Lot und die vielen tausend Spaßsucher können wieder ungestört ihrer Sucht nach dem ultimativen Thrill frönen. Über Lautsprecher informiert der Besitzer des Parks, dass die kleine Störung behoben wurde und die Besucher wieder einen schönen Tag haben können, während die sterblichen Überreste des Störers per Krankenwagen so schnell und diskret wie möglich abtransportiert werden. Wenigstens für Calder hat die Geschichte ein gutes Ende, den er hat seine Nikotinsucht hinter sich lassen können.
So ist „Achterbahn“ eben doch mehr als einfach nur ein simpler Thriller, sondern ein fast schon satirisch anzusehender Kommentar auf unsere Sucht danach dem Alltag zu entfliehen und uns in surreale Traumwelten zu begeben, zu denen die böse Realität keinen Zutritt hat. In gewisser Weise ist der Film heute sogar noch aktueller als anno 1976, den gerade heute investieren große Unterhaltungskonzerne Milliardensummen in der Erschaffung von aufwändig gestalteten Traumwelten und die Menschen rund um den Globus sind bereit tief in die Tasche zu greifen, um sich bereitwillig in diese Metarealität entführen zu lassen. Anscheinend sind wir nach wie vor eher bereit uns auf künstliche Abenteuer zu begeben, anstatt selbst aktiv daran zu arbeiten unser Leben zu einem Abenteuer werden zu lassen.
Zum Schluss noch einige Fun-Facts zum Film:
- Die große Achterbahn, um die herum das Finale stattfindet war die Zeitpunkt der Entstehung des Films die größte der Welt. Sie war zudem die erste komplett Stahl gefertigte Achterbahn, sowie die erste mit einem Looping. Entworfen und gebaut wurde sie von dem berühmten deutschen Ingenieur Werner Stengel, der auch viele andere innovative Achterbahnen rund um den Globus konstruierte.
- Die Band, die bei der Eröffnungsfeier spielt sind die „Sparks“, welche seinerzeit enorm erfolgreich war. In späteren Interviews haben die Bandmitglieder ihre Mitwirkung an dem Film jedoch bereut.
- Der Kings Dominon Park, in dem die Szenen der Geldübergabe gedreht wurden gehört heute zu Paramount Pictures. Auch viele andere Filme wurden bereits an dieser Location gedreht.
- „Achterbahn“ war einer der wenigen Filme bei denen das Sensurround Tonverfahren angewendet wurde, durch welches mit Hilfe spezieller Lautsprecher ein besonders immersives Sounderlebnis in den entsprechend ausgerüsteten Kinosälen erzeugt wurde.
- Einige der Bomben-Entschärfer am Ende waren tatsächlich echte Polizisten, die für das Bombenräumkommando arbeiteten.
- Im Magic Mountain Vergnügungspark, in dem das Finale gedreht wurde, erinnert noch heute eine Plakette, die genau an der Stelle angebracht wurde, an der der Attentäter von der Achterbahn überrollt wurde an die Dreharbeiten des Films.


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