War Hollywoods Western-Ikone ein Opfer radioaktiver Verstrahlung?
Wenige Monate nach meinem Geburtstag im Jahr 1979 verstarb John Wayne in Los Angeles im Alter von 72 Jahren an Magenkrebs. Der Mann mit dem kantigen Kinn, dem unverkennbaren Gang und der tiefen Stimme war der Inbegriff des amerikanischen Westernhelden. Doch sein Tod wirft bis heute Fragen auf. Starb John Wayne – und viele seiner Kollegen – an den Spätfolgen nuklearer Experimente? 2023 erschien der Dokumentarfilm THE CONQUEROR: HOLLYWOOD FALLOUT von Regisseur William Nunez, der dieses Thema erneut in die öffentliche Diskussion brachte. Solche Themen finde ich persönlich äußerst interessant. Zum Ersten Mal stieß ich auf diesen Fall im Jahr 2008 als die vierte Folge der investigativen Dokuserie DER LETZTE BEWEIS diese düstere Theorie und das Interesse an einem lange verdrängten Kapitel der Filmindustrie zurück brachte.
Wirklich bekannt war mir dieser Hollywoodfilm DER EROBERER (1956) nicht, vielleicht hatte ich ihn damals noch in jungen Jahren im Fernsehen gesehen. Man konnte ja kaum ahnen, was sich alles dahinter verbergen sollte. So gilt der Film tatsächlich filmhistorisch als einer der berüchtigtsten Fehlgriffe Hollywoods. Nicht nur wurde John Wayne als Dschingis Khan fehlbesetzt – eine Entscheidung, die bis heute für Stirnrunzeln sorgt – sondern der Film wurde auch an einem Ort gedreht, der sich später als hochgradig kontaminiert herausstellen sollte: in der Wüste von Utah, nahe der Stadt St. George.
In den frühen 1950er Jahren führte die US-Regierung auf dem Nevada Test Site – nur rund 200 Kilometer entfernt – eine Reihe von Atomtests durch. Die Fallout-Wolken dieser Detonationen zogen oft genau über die Region hinweg, in der Der Eroberer gedreht wurde. Laut der in DER LETZTE BEWEIS zitierten Statistiken erkrankten von den 220 Mitgliedern der Filmcrew später über 90 an Krebs – darunter Stars wie Susan Hayward, Regisseur Dick Powell, Produzent Howard Hughes und eben John Wayne. Viele von ihnen starben an den Folgen. Ein solch hoher Anteil an Krebserkrankungen weckt natürlich Verdacht – und genau hier setzt die Theorie an, die die vierte Folge der Dokuserie ausführlich untersucht.
Wissenschaftliche Zweifel und moralische Verantwortung
Wissenschaftlich ist der Zusammenhang zwischen den Atomtests und den Krebserkrankungen nicht eindeutig bewiesen – das betonen auch Experten in der Serie. Radioaktive Strahlung wirkt schleichend und kann Jahrzehnte brauchen, um Auswirkungen zu zeigen. Dazu kommen viele weitere Faktoren: Rauchen, Ernährung, genetische Prädisposition. Doch die Häufung von Fällen rund um DER EROBERER bleibt auffällig. DER LETZTE BEWEIS zeigt dazu Originaldokumente, Karten mit Fallout-Verläufen und Interviews mit Zeitzeugen sowie Historikern. Besonders eindrücklich ist eine Szene, in welcher Strahlungsexperten heute noch erhöhte Werte im Boden der damaligen Drehorte messen.
John Wayne war ein Symbol des unbeugsamen, starken Amerikaners. In der Öffentlichkeit bagatellisierte er seine Krankheit, kämpfte gegen den Krebs mit fast stoischer Ruhe. Doch auch er war möglicherweise – und ironischerweise – ein Opfer des Systems, das er im Film so oft glorifizierte: das System von Macht, Stolz und Ignoranz gegenüber Naturgewalten, die sich nicht so einfach niederreiten lassen wie ein Wildpferd. Sein Tod wird oft romantisiert – doch vielleicht war es weniger der „einsame Held“, der unterlag, sondern ein Mann, der an den Kollateralschäden des atomaren Zeitalters zugrunde ging.
Dieser Beitrag ist wie geschaffen für unsere Kategorie Style over Substance, weil er ein Paradebeispiel dafür ist, was passiert, wenn ästhetischer Ehrgeiz, Starruhm und politische Ignoranz über Verantwortung und Menschlichkeit gestellt werden. Die Theorie rund um DER EROBERER bleibt eine Mahnung: Filme sind nicht nur Fantasie, sondern auch Produkte realer Umstände. John Waynes tragischer Tod und der Verdacht einer nuklearen Verstrahlung am Set führen uns vor Augen, wie eng Kunst, Politik und Wissenschaft manchmal verwoben sind – und wie groß die Verantwortung der Beteiligten. Die Geschichte des Kinos ist nicht nur von Ruhm, sondern auch von Risiko geprägt. Und manchmal ist der wahre Horror nicht im Drehbuch zu finden – sondern im einfachen Staub eines Filmsets.


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