1977 kam William Friedkins [Regisseur von „Der Exorzist“ und „French Connection“] Thriller „Sorcerer“ in die us-amerikanischen Kinos und im Folgejahr in das deutsche Kino. Bedauerlicherweise wurde dieses unglaublich fesselnde Remake von „Lohn der Angst“ (Le salaire de la peur) [FR/IT 1953] im Vorfeld um 30 Minuten gekürzt, was zu einem großen Problem späterer Fassungen im internationalen Vertrieb von „Sorcerer“ [USA 1977] führen sollte. Finanziell scheiterte der Film an den Kinokassen, da 1977 zeitgleich „Krieg der Sterne“ anlief. In Deutschland erschien von „Sorcerer“ dann die um die halbe Stunde gekürzte Fassung im Kino und auch diese verlor gegen George Lucas Sternenkrieger-Epos.
Leider ist „Sorcerer“ auch heute noch in Deutschland wenig bekannt, was am Fassungsirrsinn und den Vertriebsrechten liegt, die mehr als kompliziert anmuten. In Frevel, wie ich finde. Die deutsche Kinofassung war damals nicht nur sehr viel kürzer, sondern auch umgeschnitten worden. Zusätzlich gab es später eine Neusynchronisation und letztlich führte beides zu einem später bei uns zumindest im TV und Kino gezeigten Directors Cut oder sozusagen der US-Originlafassung im Deutschen, die irgendwie chaotisch anmutet. Viele Szenen wurden nie synchronisiert und sind in der ultimativen Fassung dann im Deutschen nur untertitelt verfügbar, die synchronisierten Szenen sind dann jedoch aufgrund von zwei Synchronisationen und offenbar unterschiedlicher Vorlagen mit mehreren verschiedenen Sprechern eingesprochen worden und so auch in der Langfassung in der deutschsprachigen Veröffentlichung so zu hören. Den Film komplett auf Englisch zu schauen ist hier definitiv besser und generell vorzuziehen.
Warum erzähle ich das? Das liegt daran, dass ich heute beim großen Jubiläumsfest des Kasseler Bahnhofskinos, dem Bali-Kino (welches jetzt 30 Jahre alt wird) „Sorcerer“ auf der großen Leinwand sehen durfte, nachdem ich ihn um die 15 Jahre nicht mehr gesehen hatte und es war ein wahres Erlebnis. Nur die Synchronisationen machten mir Schwierigkeiten und etliche Faktoren, die den Vertrieb dieses Klassikers erschwerten, sorgten dafür, dass dieser Film außer offenbar einer einzelnen gekürzten deutschen VHS-Auflage und den Kinoaufführungen und den TV-Ausstrahlungen bis heute in Deutschland nicht zugänglich ist. Es gibt keine DVD und keine Bluray. Ich musste ihn mir deswegen auch für die Sammlung auf Bluray importieren.
Viele einzelne noch viel umfangreichere Details hierzu findet ihr auf unserem Youtube-Kanal „Filme, Serien und Stars“: ATEMLOS VOR ANGST
Dem Film an sich und der tollen HD-Neuabtastung und dem überragenden Kinoerlebnis tut dies jedoch keinen Abbruch. Nein. Ich war heute im Bali-Kino wahrhaftig mit Roy Scheider (unter anderem bekannt aus „French Connection“ und „Der weisse Hai“) in der Hölle des südamerikanischen Dschungels und am Ende war auch ich wahrhaft atemlos.
Eine Ölbor-Plantage explodiert. Nur eine gezielte Explosion mittels Nitroglycerin kann das Feuer löschen. Das Problem ist, dass das Nitro beschädigt ist und nicht ausgeflogen werden kann. Es muss über Land transportiert werden über menschenfeindliche Wege, die voller Gefahren sind. Vier Männer erhalten den lukrativen Auftrag für dieses Himmelfahrtskommando. Jede Panne kann zur Explosion führen. Den Tod permanent vor Augen wagen die Männer das Unmögliche. Die Fahrt über eine zerbrechliche Hängebrücke ist ein Highlight des Films und selbst wir Zuschauer saßen dabei gebannt und vor Spannung zitternd in unseren Sitzen. Ich hatte wirklich den Schweiß auf der Stirn und krallte mich in meinen Sessel, während ich Roy Scheider und den anderen zusah, wie sie Millimeter um Millimeter versuchten ihre Trucks sicher über die Brücke zu bringen. Ein wahrer höllischer Kraftakt und es kommt anschließend noch schlimmer für die Gruppe bevor das Nitroglycerin zum Ölfeld gelangen kann. Brutal, blutig und nervenzerfetzend. Man glaubt es den Darstellern in jeder Sekunde und hat nicht einmal das Gefühl Schauspielerei zu sehen. Zumindest empfinde ich es so.
Vor allem war dieser Film heute ideal um das 30-jährige Jubiläum des Balis in Kassel zu zelebrieren. Ein Kino, das ein wichtiger kultureller Bestandteil Kassels ist.
„Sorcerer“ ist ein wirklicher Klassiker. Hier waren Profis am Werk. Die Regie ist meisterhaft. Vor allem Roy Scheider spielt wieder auf hohem Niveau und die Bilder sind gewaltig und markerschütternd in ihrer Intensität. Ein Film, der bei uns wirklich mehr Aufmerksamkeit verdient und den man auf der großen Leinwand erleben sollte. Bei mir allerdings demnächst nur noch im O-Ton und nicht anders. Spektakulär. „Sorcerer – Atemlos vor Angst“ [USA 1977].


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