Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus

Avatar von Sven Wedekin

Die siebziger Jahre waren eine Zeit, in der Katastrophenfilme wahre Publikumsmagneten waren, die riesige Summen an den Kinokassen einspielten und in denen die bekanntesten damaligen Stars mitwirkten. Daher lag es natürlich nahe dieses Genre und seine Konventionen zu parodieren.

Viele denken jetzt sicher zuerst an den Klamauk-Klassiker „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ des inzwischen fast schon legendären Filmemachertrios David Zucker, Jerry Zucker und Jim Abrahams. Doch schon vier Jahre zuvor realisierte das Produzentenpaar Julia und Michael Philips unter der Regie von James Frawley einen Film, der in eine ganz ähnliche Richtung ging, jedoch in Hinblick auf die Qualität der Gags und der Story keinen Vergleich mit dem wesentlich bekannteren Nachfolgewerk standhielt, aber nichts desto trotz einen eigenen Retrocharme ausübt, zumal er auch gewisse Anleihen am Science-Fiction Genre nimmt.

Das Busunternehmen Coyote stellt der Öffentlichkeit den Cyclops vor, einen riesigen, doppelstöckigen Reisebus mit Atomantrieb, der Non-Stop die Strecke von New York nach Denver bedienen soll. An Bord des rollenden Giganten fehlt es den Passagieren an nichts: Es gibt es eine Bar, eine Bowlingbahn, einen Speisesaal und sogar einen Swimmingpool. Auf der Jungfernfahrt wird er von dem erfahrenen Busfahrer Dan Torranc (Joseph Bologna) gesteuert, der ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit mit sich herumträgt und daher erst von Kitty (Stockard Channing), seiner großen Liebe und Tochter des Konstrukteurs von Cyclops Dr. Baxter, zu dem Job überredet werden muss. Während der Fahrt lernen wir die höchst unterschiedlichen Fahrgäste kennen, welche allesamt sämtliche aus dem Katastrophenfilm bekannte Klischees persiflieren: Vom zerstrittenen Ehepaar, über eine sarkastische alte Dame, einen ängstlichen Geschäftsmann, einer rachsüchtigen Femme Fatale bis zu einem ungläubigen (!) Pfarrer ist alles dabei.

Während der Fahrt wird der Atomreaktor durch eine von einem Saboteur versteckten Bombe schwer beschädigt, weswegen der Cyclops nicht mehr bremsen kann, schließlich über der Bruchkante einer Klippe hängen bleibt und droht hinab zustürzen. Nun ist es an Dan Torrance die Fahrgäste mitsamt Kitty zu retten.

Der Titel des Streifens ist nicht gerade eine Meisterleistung der Übersetzung und sollte sich wohl nachträglich an den Erfolg von „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ anlehnen. Im Original heißt er schlicht und treffend „The Big Bus“.

Man kann dem Film nur zu deutlich ansehen, dass sich alle Beteiligten bemühten sich über ihre ernsthaften Genrevorbilder lustig zu machen. Doch wie eingangs schon erwähnt fehlt es dem Drehbuch irgendwie an satirischer Schärfe, fast hat man das Gefühl, es wäre von Leuten geschrieben worden, die keine echte Erfahrung mit Komödien haben. Der Humor wirkt seltsam gebremst und steht somit im sichtbaren Kontrast zur Rasanz der Handlung, die wiederum fast wie eine Vorstudie zu Jan DeBonts Neunziger Jahre Actionthriller „Speed“ wirkt.

Die Action kommt hier tatsächlich nicht zu kurz, wenn der Cyclops mit Höchstgeschwindigkeit über den Highway brettert dröhnen dem Zuschauer fast die Ohren. Überhaupt ist der riesige Bus der eigentliche Star des Streifens. Das 75 Tonnen Ungetüm wurde eigens für den Film konstruiert und wirkt mit seinem riesigen Triebwerk am Heck eher an ein Star Wars Raumschiff auf Rädern. Sinnigerweise wird er dem staunenden Publikum so auch mit den aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ bekannten Klängen von Richard Strauß „Also sprach Zarathustra“ enthüllt. In Wahrheit war das von Produktionsdesigner Joel Schiller entworfene Fahrzeug, welches nach Ende der Dreharbeiten leider verschrottet wurde, in seinem Inneren hohl, die Innenaufnahmen wurden im Studio gefilmt.

In gewisser Weise „The Big Bus“ auch als Parodie auf die typisch amerikanische Technikgläubigkeit zu verstehen, der sich in einem kaum verhohlenen Gigantismus äußert. Die Atomenergie wurde damals, in der Vor-Tschernobyl Zeit, noch als eine echte Zukunftstechnolgie gesehen, die die Grenzen des Machbaren verschieben würde. Da erschien selbst die Idee eines kerngetriebenen, super luxuriösen Riesenbusses gar nicht so abwegig. Man muss den Film fast schon dafür loben, dass er die Gefahren dieser Technik thematisiert, wenn auch auf eine reichlich überzogene Art, wie es sich für eine Komödie gehört.

Unterm Strich muss man festhalten, dass „Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus“ zwar beileibe kein Meisterwerk des Komödiengenres, aber trotzdem unterhaltsam genug ist um einen Blick wert zu sein.


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