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Freitag der 13. Part VI: Jason Lives (1986)

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Blutig, witzig, unsterblich: Warum JASON LEBT der coolste Teil der FREITAG DER 13.-Reihe ist!

Meine Beziehung zu FREITAG DER 13. – 6 – JASON LEBT begann in den späten 80er Jahren, als mein älterer Bruder den Film aus der Videothek auslieh. Ich war damals gerade einmal acht Jahre alt und schlich mich heimlich an die Wohnzimmertür, um durch den Türspalt einen Blick auf den Film zu erhaschen. Die düstere Atmosphäre und die bedrohliche Präsenz der Horrorfigur fesselten mich. Doch ich wurde entdeckt, und die Vorführung fand ein abruptes Ende. In derselben Nacht hatte ich einen intensiven Albtraum: Ich war Teil der Auftaktszene und wurde von dem Monster verfolgt, dabei war die Filmszenerie ortsmäßig in meiner Heimatortschaft angesiedelt – was den Traum noch mehr intensivierte. Es war nett. Ein Jahrzehnt später, beschloss ich, nachdem ich die Teile 2 und 5 mit Freunden schon gesehen hatte, die FREITAG DER 13. – Reihe vollständig kennenzulernen. Ich lieh mir den ersten Teil auf VHS aus der Videothek. Doch durch eine Verwechslung erhielt ich den sechsten Teil. Als ich den Film startete, erkannte ich sofort die Szene von damals. Dazu muss ich auch sagen, als Kind wusste ich nicht, dass es sich um Jason oder einen Freitag der 13.-Film handelte. Und trotz der anfänglichen Beklemmung begeisterte mich der Film mit seiner einzigartigen Mischung aus Horror, Humor und der gekonnten Inszenierung.

Nun reisen wir 20 Jahre weiter: Im Jahr 2017 hatte ich die Gelegenheit, C.J. Graham, den Darsteller von Jason in diesem Film, persönlich zu treffen. Die „Weekend of Hell“-Convention war ein schönes kleines Event, und ein Autogramm auf meiner Jason-Maske habe ich auch erhalten. Graham, der ursprünglich aus der Nachtclub-Branche stammt, erhielt die Rolle des Jason eher zufällig. Seine Darstellung verlieh der Figur eine imposante Präsenz, die bis heute in Erinnerung geblieben ist. Er wollte gerne auch in Teil 7 auftreten, doch dies blieb ihm verwehrt. So wurde er stattdessen ein erfolgreicher Manager. Dennoch lässt er es sich nehmen, mit den Fans bei Conventions zusammen zu kommen.

Regisseur Tom McLoughlin brachte frischen Wind in die Reihe, indem er einen düsteren, selbstironischen Humor einführte. Seine Meta-Kommentare auf das Genre waren ihrer Zeit voraus und verliehen dem Film eine moderne Note, die auch heute noch funktioniert. Allein schon die Eröffnungssequenz mit Jason im James-Bond-Auftritt – Legendär! McLoughlin verstand es, Spannung mit Ästhetik zu verbinden, statt sich nur auf Schockeffekte zu verlassen. Neben FREITAG DER 13. – 6 inszenierte er auch Filme wie MANCHMAL KOMMEN SIE WIEDER (1991), KAMPF EINER MUTTER (1994), EIN SOHN KEHRT ZURÜCK (1994), THE UNSAID (2001) und SNIPER – DER HECKENSCHÜTZE VON WASHINGTON (2003). Obwohl er seit 2010 keinen Regiestuhl mehr bestiegen hat, äußerte er Interesse an einer Fortsetzung der Freitag der 13.-Reihe, in der er ausschließlich mit Schauspielerinnen arbeiten wollte – mit Ausnahme von Jason natürlich. Leider kam dieses Projekt bis heute nicht zustande.

Die Kombination des Soundtracks von klassischer Horror-Atmosphäre und Gothik-Einschlag mit 80s Rock ist geradezu ideal für diesen Film, der Horror zwar ernst nimmt, aber auch Spaß zulässt. Ich finde Harry Manfredini kreierte hier den besten Soundrack der gesamten Reihe. Und Rockstar Alice Cooper, der auch einen starken Schauspiel-Auftritt in John Carpenters DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987) hinlegte, steuerte gleich mehrere Songs bei. Ich mag sie alle, ganz besonders: ANIMAL und HARD ROCK SUMMER. Der Song TEENAGE FRANKENSTEIN ist natürlich unglaublich passend zur Thematik der Wiederbelebung Jasons durch den Blitzeinschlag und HE’S BACK rundet die Musikstory zum Film ab!

Die Figur des Tommy finde ich in Teil 6 am ansprechendsten. Die Filmfigur wirkt gereifter und entschlossener, auch, würde ich meinen, sympathischer als die Vorgänger. Dabei bringt Darsteller Thom Matthews, den wir ja alle aus RETURN OF THE LIVING DEAD bzw. VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN kennen, Charisma, Ernsthaftigkeit und eine gewisse Coolness in die Rolle mit ein. Bis zum Jahr 2001 spielte er in einigen Filmen wie FLUCHT AUS ATLANTIS (1988), ROCK HUDSON (1990), PROJEKT: PEACEMAKER (1997) oder MEAN GUNS (1997) mit, bis er nach einer 16jährigen Pause mit NEVER HIKE ALONE (2017) wieder einen etwas stärkeren Film ablieferte. Leider konnte ich aus dieser „neuen“ Ära seiner Schaffenskunst noch keinen Titel sehen. Gut gespielt und empfehlenswert soll sein Auftritt in IN THE LIVING YEARS (1994)(Originaltitel: A LETTER TO DAD) sein. Auch der Fan-Film FREITAG DER 13. – VENGEANCE 2: BLOODLINES (2022), in der er wieder in die Rolle des Tommy Jarvis schlüpft, würde mich reizen. Die beiden sind auf meiner Watchlist!

Unter Fans taucht natürlich immer die Frage auf: „Was ist Dein Lieblingskill?“, entweder für die gesamte Filmreihe oder eben diesen einen Film. Bei JASON LEBT brauche ich nicht lange zu überlegen. Für mich ist der beste Kill die Dreierenthauptung der Paintball-Spieler im Wald. Das ist ein Paradebeispiel für Action, Humor („Ich hab Hunger!“) und den übernatürlichen Horror. Aber was diese Szene unvergesslich macht, ist der (zunächst) überlebende Zeuge, der nach dem brutalen Kill erst wie paralysiert wirkt, aber dann gezielt die Paintball-Waffe auf Jason ausrichtet, als er auf ihn zukommt, und perfekt mitten auf die Brust trifft – leider natürlich ohne Wirkung. Wobei man sagen muss, auch eine echte Waffe hätte hier nichts gebracht! Übrigens: Den Jason verkörperte in dieser Szene nicht C. J. Graham, sondern Dan Bradley, der zunächst als Jason besetzt werden sollte und schon (einschließlich der eben erwähnten Szene) einige Aufnahmen absolvierte. Aber auch die Sarg-Leiche von Jason, zu Beginn des Films, wurde nicht von Graham verkörpert, sondern vom F/X-Mann Christopher Swift übernommen. Somit ist Teil 6 der Film mit drei unterschiedlichen Jason-Darstellern.

Die Kritiken fielen natürlich nicht besonders positiv aus und bewerteten die Leistungen des Regisseurs und der Schauspieler nicht in angemessener Weise. Auch wenn man dem Horrorgenre wohl eher weniger zugetan ist, so sollte man bei Bewertungen fair bleiben. Filme sind Geschmacksache, aber dennoch scheint es bei vielen Kritiken immer so, als würden sie den Film nicht oder nur beiläufig oder teilweise schauen. Zusammengefasst ist FREITAG DER 13. – 6 – JASON LEBT für mich ein äußerst gut gelungener Horrorfilm. Seine Mischung aus Horror, Humor, Atmosphäre, guter Darstellung und gekonnten Inszenierung und kultiger 80s Musik macht ihn zu einem zeitlosen Klassiker, der auch heute noch begeistern kann – wenn man es zulässt und Ironie versteht.


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One response to “Freitag der 13. Part VI: Jason Lives (1986)”

  1. Avatar von Ben Harks
    Ben Harks

    geile story, jan! 👍

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